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Feuer, Eis und Dosenbier

D 2001. R,B: Mathias Dinter. B: Martin Ritzenhoff. K: Stephan Schuh. S: Alexander Dittner. M: Ralf Wengenmayr. P: Hofmann & Voges, Goldkind. D: Axel Stein, Rick Kavanian, Eva Habermann, Christoph M. Ohrt, Herbert Fux, Andreas Elsholz, Hans Martin Stier u.a.
83 Min. Warner ab 21.2.02
Von Carsten Tritt In seinem Regiedebut ist Mathias Dinter ein ausgesprochen wahrhaftiges Werk gelungen, denn Feuer, Eis und Dosenbier ist eindeutig ein Film, der hält, was der Titel verspricht. Erzählt wird die Geschichte des Türlich Dicker, dem ein ganz ähnliches Schicksal widerfährt, wie einst dem kleinen Charles Foster Kane: Er wird in früher Jugend aus seiner verschneiten Heimat entrissen und muß in einer weit entfernten Großstadt (hier: Herne-Wanne) aufwachsen.

Als es Jahre später darum geht, den Feldjägern der Bundeswehr zu entfliehen, entsinnt sich Türlich seiner Herkunft und flüchtet zusammen mit seinem Freund Josch nach Ischgl, den österreichischen Skiort seiner Jugend, in dem die Eingeborenen schwyzerdütsch sprechen und Käsefondue essen. Doch die Heimat ist bedroht durch den fiesen Tronald Dump, der den Berg des Alm-Öhi in die Luft sprengen will, und der von Christoph M. Ohrt mit einem amerikanischen Akzent gesprochen wird, der exakt der Frisur des Darsteller entspricht.

Viele Fragen läßt der Film unbeantwortet: Warum z.B. schickt Heidi dem Türlich zwei Fahrkarten nach Österreich, obwohl sie gar nichts von seinem Freund Josch weiß? Warum gibt es auf dem angeblich unberührten Berg des Alm-Öhis plötzlich eine Skisprungschanze und Eisenbahngleise? Und wieso dürfen Türlich und Josch ungestört mit einem Panzer durch Herne fahren, obwohl ihrem Fahrzeug ein ordnungsgemäßes Kennzeichen im Sinne der Straßenverkehrszulassungsordnung fehlt?

Aber andererseits erklärt einem auch keiner, warum sich der Schlitten von Charles Foster Kane, den er als Kind zurückgelassen hat, Jahrzehnte später in seiner etwas zu groß geratenen Abstellkammer wiederfindet. Außerdem hat Dinters Film gegenüber Citizen Kane zwei große Vorteile: Erstens spielt Herbert Fux mit, und zweitens ist Feuer, Eis und Dosenbier auch viel witziger. Ob das ausreicht, um wie Orson Welles Meisterwerk in die Filmgeschichte einzugehen, könnte freilich etwas fraglich sein, aber wenn Sie heute abend nicht vernünftiges vorhaben, können sie sich den Film ja trotzdem mal anschauen. 1970-01-01 01:00
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