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Das Fest

Festen. DK 1997. R,B: Thomas Vinterberg. B: Mogens Rukov. K: Anthony Dod Mantle. S: Valdis Oskarsdottir. M: Morten Holm. D: Ulrich Thomsen, Henning Moritzen, Thomas Bo Larsen u.a.
106 Min. Arthaus ab 7.1.99
Von Caroline M. Buck Was bewegt einen Regisseur, sich freiwillig Regeln zu unterwerfen, die seine künstlerische Freiheit erheblich einschränken, sein Urheberrecht in Frage stellen, indem sie ihm das Recht auf Namensnennung verweigern, und auch sonst eher wie eine Zwangsjacke wirken?

Dogma 95, wie der Name schon sagt '95 gegründet, ist die Charta einer Gruppe von Regisseuren um den dänischen Kultfilmer Lars von Trier, die sich einer radikalen Ästhetik verschrieben hat: keine Requisiten, die sich nicht schon am Drehort befänden, kein anderes als natürliches Licht, keine Action um der Action willen (und damit auch keine Handfeuerwaffen…), nur Handkamera und Tonaufnahmen am Set. Und einige Dogmen mehr, die insgesamt unter dem schönen Titel laufen: »Take the Vote of Chastity«.

Ganz dran gehalten hat Thomas Vinterberg sich nicht mit seiner Familientragödie Das Fest. Weil man sich das selbst eingeforderte Drehen auf 35mm-Material mit der Handkamera und entsprechenden Schnittverlusten gar nicht leisten konnte, drehte man auf Video und ließ das Format hinterher aufblasen. Weil Musik ohne sichtbare Quelle auf der Leinwand nicht gestattet ist, singen Vinterbergs Figuren selbst dann noch, als der Familienvater mitten in seiner Jubelfeier zum Sechzigsten bereits als Schänder der eigenen Kinder geoutet ist. Außerdem gingen einige Darsteller sich ihre Abendgarderobe für die Festivität eingestandenermaßen erst kurz vor Drehbeginn kaufen, was die Requisitenfrage unterminiert. Und daß man in einem Schloßhotel drehte, hatte natürlich den nicht ganz unbeabsichtigten Nebeneffekt, daß sich eine möglichst große Bandbreite an Requisiten tatsächlich bereits vor Ort finden ließ.

Ganz so genau nehmen Vinterberg – der in Cannes den Jurypreis erhielt und also namentlich für seinen Film einstand – und seine drei Mitstreiter ihre Keuschheitsgelübde nicht. Eine Lockerungsübung sei sein Film, und ob Lars von Triers Idioterne, der zweite fertiggestellte Dogma-Film, die Regelverletzung nicht sogar noch weiter treibt, darüber ließe sich auch streiten. Dennoch hat Vinterberg trotz oder vielleicht gerade wegen der Beschränkung durch die Dogmen einen hervorragenden Film gemacht. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #13.

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