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Felix

Drôle de Félix. F 2000. R,B: Olivier Ducastel, Jacques Martineau. K: Matthieu Poirot-Delpech. S: Sabine Mamou. P: Arte, CNC. D: Sami Bouajila, Patachou, Ariane Ascaride, Pierre-Loup Rajot u.a.
97 Min. Salzgeber ab 2.11.00
Von Manuela Brunner Katie Holmes' resignierter Stoßseufzer aus Go bestätigt sich immer wieder: »Gay men are so hot…« – und um den anderen schwulen Protagonisten dieses Films den Spaß ein wenig zu verderben, hat der hübsche milchkaffeefarbene Félix auch noch eine sehr glückliche Beziehung. Dummerweise verliert er seinen Job, aber das ist nur der Anstoß für ein Roadmovie der französischen Art, was vor allem heißt: auf verspielte Weise intelligent und mit viel Herzlichkeit und Wärme für seine Figuren. Félix macht sich, aus reiner Langeweile, auf die Suche nach seinem Vater, den er nie kennengelernt hat und von dem er nur weiß, daß er in Marseille lebt.

Aber eigentlich ist die Reise zu diesem Vater auch nur ein Vorwand für die beiden Regisseure Olivier Ducastel und Jacques Martineau, um ihren Hauptdarsteller durch wunderschöne Landschaften laufen und eine Reihe von Zufallsbekanntschaften machen zu lassen, die den Film in Episoden gliedern, betitelt »mon petit frère«, »ma soeur« oder »ma grand-mère«. Klar, daß am Ende gar nicht so wichtig ist, ob der Mann, der in der Episode »mon père« auftaucht, wirklich der Vater ist; daß die Botschaft des Films »Der Weg ist das Ziel« lautet, haben wir schon lange vorher mitbekommen.

Es ist einfach ein Genuß, Félix zum Reisegefährten zu haben, und deshalb ist es eigentlich egal, wo er hinwill, solange wir nur mitdürfen. Sami Bouajila verleiht Félix das, was Albert Camus mal als typisch nordafrikanische »joie de vivre« charakterisiert hat, dazu eine kindliche Begeisterungsfähigkeit, die nicht zuletzt deshalb so bewegt, da der Tagesablauf immer wieder vom Piepsen der Digitaluhr unterbrochen wird, die Félix an die Medikamente gegen seine HIV-Infektion erinnert. Genauso unverkrampft und verspielt wie die Hauptfigur selbst kommt Matthieu Poirot-Delpechs Kameraführung daher, mal mit verruckelten Point-of-View-Shots aus der Handkamera, dann wieder als ruhige und geduldige Beobachterin, die ganz den Darstellern das Feld überläßt. Für diesen Film gilt es: Nomen est omen. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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