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Feindliche Übernahme – althan.com

D 2000. R: Carl Schenkel. B: Nikolai Müllerschön. K: Egon Werdin. S: Horst Reiter. M: Harald Kloser. P: mps mediaproductions. D: Thomas Kretschmann, Désirée Nosbusch, Klaus Löwitsch, Wolfgang Hübsch, Hans-Peter Hallwachs, Florian Martens, Martin Semmelrogge u.a.
94 Min. Columbia ab 1.2.01

Deutsche Action-Unterhaltung

Von Frank Brenner Der Actionfilm ist tot. Einstige Genrestars wie Bruce Willis und Sylvester Stallone haben sich mittlerweile dem Charakterfach verschrieben oder sind kaum mehr im Kino zu sehen – das Genre selbst zieht jedenfalls längst nicht mehr so gut wie in den 80er Jahren, das bekam auch Arnold Schwarzenegger bei seinen jüngsten Projekten zu spüren. Die Deutschen hinken diesem Trend mal wieder hinterher und versuchten sich erst in den letzten Jahren in einem Filmbereich, der immer schon von den Amerikanern dominiert war. Außer Dominik Graf und seinem Ausnahmefilm Die Sieger sind das bislang auch lediglich Versuche geblieben.

Carl Schenkel hingegen versteht sein Handwerk ebenfalls. Seit Abwärts hat er einige raffiniert-spannende Kinofilme inszeniert, viele davon in Hollywood. Mit seinem neuesten Werk ist Schenkel in sein Heimatland zurückgekehrt und hat den Beweis angetreten, daß er sein Publikum noch immer fest im Spannungsgriff halten kann.

Ein großer deutscher Energiemulti plant die Übernahme der Stromversorgung von zehn Großstädten in Entwicklungsländern, was sein Hauptkonkurrent mit Hilfe einer rechten Terrororganisation zu verhindern versucht. Nebenbei bedient sich der Drehbuchautor auch noch einer Elitekampftruppe der Ex-DDR, deren übergroßer Schatten auch die Ereignisse in der fiktiven Gegenwart noch zu beeinflussen weiß. Die Story ist hölzern und erinnert in ihrer Plakativität schon mitunter an einschlägige Versatzstücke aus dem Fernsehfilmkochtopf. Aber was hier an Originalität und Selbständigkeit fehlt, wird durch Schenkels effektvolle Regie weitgehend wieder wettgemacht.

Ein Großteil der Handlung konzentriert sich auf das Erklimmen eines Frankfurter Bürohochhauses, das dazu dient, den Sicherheitscomputer der Althan AG zu knacken. Wenn die Terroristen zusammen mit ihrer Geisel Thomas Kretschmann mit der Kletterausrüstung bei Nacht und Eisregen zwanzig Stockwerke hinaufkraxeln, erinnert einen der eigene Adrenalinspiegel mehrfach an Schenkels Phobienmeisterwerk Abwärts. Kameramann Egon Werdin war auch 1984 schon mit dabei. Bei Feindliche Übernahme – althan.com hat er erneut einige herausragende Perspektiven gefunden, die den Spannungspegel aufrechterhalten helfen.

Dank einer eindrucksvollen Stuntarbeit und einem sichtbaren Produktionsaufwand hebt sich Schenkels Film somit von vergleichbaren TV Movies ab. Nationale Leinwandgrößen wie Klaus Löwitsch und Martin Semmelrogge schaffen es durch ihre Präsenz und ihre selbstironische Darstellung gleichermaßen, die immanente Komik der Story zu überdecken und dem Zuschauer gelungene Unterhaltung zu bieten. 1970-01-01 01:00
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