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Fear and Loathing in Las Vegas

USA 1998. R,B: Terry Gilliam. B: Tony Grisoni, Tod Davies, Alex Cox. K: Nicola Pecorini. S: Lesley Walker. M: Ray Cooper u.a. D: Johnny Depp, Benicio Del Toro, Tobey Maguire, Mark Harmon, Cameron Diaz u.a.
128 Min. Tobis ab 24.9.98

Gonzo und wie er die Welt sah

Von Carsten Tritt Dr. Hunter S. Thompson ist der Vater des Gonzo-Journalismus. Sein Stil zeichnet sich ab in Überhöhungen, Sarkasmen und Flüchen. Der Gonzo-Autor schreibt über etwas, um das es im Artikel eigentlich gar nicht geht, stellt sich selbst in den Vordergrund. Durch die Verzerrung und Übertreibung soll der eigene Standpunkt erklärt werden.

Thompson veröffentlichte Anfang der 70er seinen Gonzo-Roman »Fear an Loathing in Las Vegas«, und Terry Gilliam, der seine Vorliebe für skurrile Stoffe von seinen Monty Python-Zeiten bis zu seinem letzten Werk Twelve Monkeys immer wieder bewiesen hat, nahm sich nun der Verfilmung des Buches an.

Der Journalist Raoul Duke, Thompsons Alter ego, bekommt hier den Auftrag, über ein Offroad-Rennen in Las Vegas zu berichten. Er nimmt seinen Rechtsanwalt Dr. Gonzo mit, füllt den Kofferraum seines Wagens mit halluzinogenen Mitteln aller Art und fährt los. Die nun folgende Handlung beschreiben zu wollen, dürfte ein sinnloses Unterfangen sein, vom Rennen bekommen die beiden jedenfalls nicht allzuviel mit. Mit allen Gonzo-üblichen Übertreibungen bis zum geht nicht mehr, Beleidigungen und Widerwärtigkeiten schafft es Gilliam, den vorgegebenen Stil Thompsons perfekt auf die Leinwand zu übertragen.

Wo auch immer Duke und Gonzo sind, sie hinterlassen ein Trümmerfeld, und mit ihrer zerstörerischen Kraft zerlegen sie auch den American Dream. Wir sehen diese Welt mit Thompsons/Dukes Augen in einem ständigen Drogenrausch, in denen Touristen zu Rieseneidechsen werden und der Feind überall lauern kann. Das einzige Problem des Films hat Johnny Depp schon selbst erkannt, der im Presseheft zitiert wird: »Einige werden in Duke und Gonzo vielleicht nur zwei Spinner sehen, die sich mit Drogen aller Art vollstopfen. Aber sie machen das nicht zur Entspannung, sondern aus einem ehrlichen Bedürfnis heraus.«

Tatsächlich wäre es wohl die gesündere Anschauung, Thompson/Duke als Spinner zu sehen und die Intelligenz seiner Äußerungen hin und wieder in Frage zu stellen. Denn die Versuche, durch seinen Gonzo-Stil die Welt zu erklären ohne Kritik zu übernehmen bedeutet auch, eine ziemliche Arroganz zu akzeptieren, die oftmals nicht gerechtfertigt scheint. Wenn man aber Thompsons Erklärungen und Ansichten nicht einfach hinnimmt, so verliert der Film den Großteil seiner Wirkung; zurück bleibt ein obskur-fragwürdiges Etwas. Dies ist sicherlich eine Schwäche, die Thompsons Stil und weniger Gilliam anzurechnen ist.

Der Regisseur lädt den Zuschauer nämlich hervorragend dazu ein, eben nicht alles zu hinterfragen und den Gedankenspielen einfach zu folgen, mit einer frischen, schnellen, auf Effekte angelegten Inszenierung. Selbst die SFX und die Kulissen überzeugen – wenn man sich an Twelve Monkeys oder Brazil zurückerinnert, lagen darin nicht immer Gilliams Stärken. Johnny Depp mit Halbglatze und Benico Del Toro als Gonzo agieren schließlich mit solcher Spielfreude in ihren Rollen, daß es dem Zuschauer kaum möglich ist, von ihnen nicht mitgerissen zu werden. 1970-01-01 01:00

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