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FC Venus – Angriff ist die beste Verteidigung

D 2006. R: Ute Wieland. B: Jan Berger, Katri Manninen, Outi Keskevaari. K: Peter Przybylski. M: Oliver Biehler. S: Martina Matuschewski. P: Wüste Film. D: Christian Ulmen, Nora Tschirner, Heinz Hoenig, Florian Lukas.
99 Min. NFP ab 27.4.06

Abseits

Von Sebastian Gosmann Daß die an eine deutsche Durchschnittsfrau gerichtete Frage nach dem (bekanntlich selbst für eine Vielzahl eingefleischter Fußballfans) schier unerklärbaren Fachterminus »Abseits« mit ziemlicher Sicherheit unbeantwortet bleiben dürfte, ist zu erwarten. Aber ein Weib vom fußballverrückten Lande, das überrascht wird von der Tatsache, daß sich die lustige Markierung inmitten des Strafraumes satte elf statt der vermuteten sieben Meter vom Tor entfernt befindet? Zwei Frauen, die zu deppert sind, auf dem zum Trainingsplatz erkorenen Rasenstück einen schönen runden Mittelkreis zu ziehen?

Das war nicht unbedingt zu erwarten. Zieht die fehlende Fußballbegeisterung zwangsläufig eine Beschränktheit im praktischen Denken nach sich? Das ist nicht witzig, das ist haarsträubend. Um der Pointe Willen wird den Damen des FC Venus auch noch das kleinste bißchen Würde genommen. Die um ihre Ehre – und, irre witzig: die Fernbedienung! – kämpfenden Herren von der Eintracht Imma kommen in dieser Hinsicht zwar keineswegs besser weg, doch macht das diese Komödie keinesfalls komischer. Denn nahezu all ihre Lustigkeiten beruhen auf schon viel zu oft bemühten Geschlechterklischees.

Ähnlich ungelenk verliert sich auch die Inszenierung in filmischen Plattitüden. Es fehlt ihr an Biß und vor allem an Timing. Potentielle Pointen gibt es zwar, doch sie werden nicht ausgespielt.

Schon der Ausgangspunkt der Geschichte ist alles andere als stimmig. Die Frauen scheinen sich mit ihrer Rolle als schmückendes Beiwerk längst abgefunden zu haben. Bestens versorgt mit Kaltgetränken und Klatschlektüre, hat man es sich am Spielfeldrand im Liegestuhl bequem gemacht. Zufrieden quatschen sich die Damen durch den Tag. Gar idyllisch wirkt die Szenerie. Da mutet die im Zentrum der Handlung stehende Wette an wie ein schlechter Scherz. Die Notwendigkeit einer Umgestaltung der bestehenden Verhältnisse ist nicht wirklich ersichtlich.

Den ultimativen Todesstoß versetzt dem Film die Musikauswahl. Die Entscheidung für Songs wie »My Favourite Game« von den Cardigans oder Queens unsägliches – keineswegs unvermeidliches – »We Are The Champions« als Untermalung des alles entscheidenden End-Matches ist an Uninspiriertheit kaum zu überbieten.

Die filmische Qualität dieser neuen deutschen Fußballkomödie entspricht in etwa den fußballerischen Fähigkeiten der Eintracht Imma. Ginge es um die Meisterschaft, überstünde sie nicht einmal die Vorrunde. Vielleicht kommen die Finnen ja weiter, die sich der Verfilmung dieses ursprünglich finnischen Stoffs zeitgleich angenommen haben. 1970-01-01 01:00
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