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Fast Food Nation

USA 2006. R,B: Richard Linklater. B: Eric Schlosser. K: Lee Daniels. S: Sandra Adair. M: Friends of Dean Martinez. P: Han Way, Recorded Picture. D: Patricia Arquette, Bobby Cannavale, Ethan Hawke, Greg Kinnear u.a.
116 Min. Senator ab 1.3.07

McSchreck

Von Mary Keiser Mami? Woher kommen eigentlich die Hamburger? Fast Food Nation zeigt anschaulich, aus welchen Zutaten so ein Burger bestehen kann, was sowohl Assoziationen an Sachgeschichten mit der Maus als auch Staplerfahrer Klaus weckt. Darüber hinaus erschließt sich anhand von Charakterstudien ein sozialer Kosmos, in dessen Mittelpunkt der umstrittene Fertigfraß vor sich hinbrutzelt. Eric Schlosser arbeitete seinen im Stil einer Reportage gehaltenen Bestseller zu einer fiktiven Erzählung um, indem er den einzelnen Schräubchen im Getriebe eines exemplarischen Fast Food-Giganten ein Gesicht verlieh.

Weil der Mensch ist, was er ißt, soll Don Henderson, der Marketingchef von »Mickey‘s«, die Zustände in den Fleischfabriken überprüfen, nachdem in der triefenden Pappkost Kolibakterien gefunden wurden. Es ist eine Freude mitanzusehen, wie sein naiver Optimismus geradezu durch den Fleischwolf gedreht wird und er mit zusehends weniger Verve in seinen »Big One« beißt. Humor beweist auch die Besetzung des loyalen Regionalvertreters, der skrupellos die firmenpolitischen Rechtfertigungsformeln herunterrattert, ausgerechnet mit Bruce Willis. Die Bedienung Amber ist jung und braucht das Geld, kündigt dann aber aus Gewissensgründen und schließt sich einer Gruppe halbwüchsiger Politaktivisten an. Diesen Aussteiger-Luxus können sich die mexikanischen Einwanderer nicht leisten, die in der Fleischfabrik nach Strich und Faden ausgebeutet werden. Sie sind das Fast Food unter den Arbeitskräften, schnell zu beschaffen und billig.

Obwohl man in jeder Szene über einen Star stolpert, vermitteln die repräsentativen Einzelschicksale und der Verzicht auf Pathos, nicht zuletzt durch die nüchterne technische Umsetzung, auf subtile Weise eine glaubwürdige politische Botschaft. Während ein Michael Moore im Grunde selbst den American Dream verkörpert, den er zu entmythisieren sucht, hinterläßt Fast Food Nation ein Gefühl der Hilflosigkeit. Die Tierschützer können ebensowenig ausrichten wie der zweifelnde Manager, solange die Kunden kaufen. Ganz genau wie die Kühe, die gar nicht freigelassen werden wollen. »Don‘t you want to be free?« 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #45.
© 2012, Schnitt Online

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