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Fast Food Fast Women

USA 2000. R,B: Amos Kollek. K: Jean-Marc Fabre. S: Sheri Bylander. M: David Carbonara. P: BIM Distribuzione, Fast Productions, Lumen Films. D: Anna Thomson, Jamie Harris, Louise Lasser, Robert Modica u.a.
96 Min. Arthaus ab 8.3.01

New York Fairy-tale

Von Manuela Brunner Die große Frage bei all den Selbstmördern, die jedes Jahr ihrer Existenz ein Ende bereiten, lautet: Warum? »Some excitement in my Sunday morning« – was sonst könnte der Schönen fehlen, die sich zu Beginn von Amos Kolleks Fast Food, Fast Women mitten auf den Zebrastreifen legt. Sie wird natürlich nicht überfahren, und der Film hat damit seinen düstersten Moment schon hinter sich.

Wer sich noch an Amos Kolleks Sue – eine Frau in New York erinnert, und an das Unbehagen, das nach dem Kinobesuch so schwer abzuschütteln war, wird sich freuen: Endlich darf sein blonder Engel, Anna Thomson, einer durch und durch von Optimismus geprägten Geschichte ihren überirdischen Glanz verleihen.

Fast Food, Fast Women spielt in New York, spart sich aber die typischen Bilder von Wolkenkratzern und Downtown City Life. Seine Figuren leben in einer Umgebung, die nicht stinkreiche Upper East Side und nicht abgefucktes Harlem, nicht künstlerisch-abgedrehtes East Village, sondern ein Irgendwo in der Lower Middle Class ist. Die Schöne ist Kellnerin, doch ganz ohne die dem Filmklischee zugehörigen Träume von der großen Karriere. Zwischen ihrer Affäre mit einem verheirateten Mann und einer Kinderschuh-Beziehung mit einem Schriftsteller-Taxifahrer und hinter dem kleinen Wehwehchen ihres herannahenden 35. Geburtstages steckt ein gütiger, edler und selbstloser Mensch, der alles in seiner Umgebung zum Guten zu wenden vermag. Würg? Ganz im Gegenteil.

Kollek konstruiert in warmen, seine Hauptdarstellerin umschmeichelnden Bildern eine Gegenwelt zum harten New Yorker Straßenpflaster, wie wir es aus der Dokumentarfilmwirklichkeit zu kennen glauben, ein verträumtes Paralleluniversum. Die Protagonisten sind zu schön – die Hauptfigur heißt bezeichnenderweise Bella – und zu smart – kleine lobende Erwähnung für Jamie Harris am Rande – um echt zu sein. Somit ist Fast Food, Fast Women in New York vollkommen richtig angesiedelt, denn die zahllosen Filme, welche die Stadt immer wieder als Kulisse nutzen, haben Film-New-York inzwischen zu einem eigenen, voll ausgebildeten Universum in unseren Köpfen werden lassen.

In Amos Kolleks New York funktioniert natürlich auch alles nach eigenen Gesetzen: Man muß nur verrückt genug sein, und alles wird gut. Wenn sich zwei Rentner noch mal benehmen wie frisch verliebte Teenager, wenn unscheinbare alte Damen sich als Millionärinnen entpuppen und wenn die tägliche kleine Schnapsidee den Grundstein zu einer erfolgreichen Restaurantkette namens Fast Food, Fast Women legt, dann ist der kleine Gott jener Welt glücklich und befiehlt: »Abblende!« 1970-01-01 01:00
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