— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Fandango

D 1999. R,B: Matthias Glasner. B: Jens Bielefeld. K: Sonja Rom. S: Markus Goller. M: Fetisch/Meister. P: Calypso, Bavaria, Buena Vista. D: Nicolette Krebitz, Moritz Bleibtreu, Richy Müller, Corinna Harfouch, Volker Spengler u.a.
103 Min. Buena Vista ab 21.9.00

God is a DJ

Von Oliver Baumgarten Schon Sexy Sadie gehörte 1996 mit seinen fein komponierten Schwarzweißbildern zu den interessantesten Filmen des Jahres. Mit Fandango legt Matthias Glasner nun ein visuelles Feuerwerk vor, das im deutschen Kontext seinesgleichen sucht. Rainer Kaufmann war bereits in Long Hello & Short Goodbye bemüht – und der Vergleich drängt sich nicht zuletzt ob der clubdivenhaften Inszenierung von Nicolette Krebitz auf – einen Designerfilm zu drehen, ein Effektfandango moderner Werbeoptik.

Doch schwebte dort manchesmal das Formale kontaktlos über der schmalen Handlung, so gelingt Glasner eine konzeptionelle Verknüpfung seiner kraftvollen Bilder mit der ebenfalls dünnen Handlung. Fandango ist ein Gangsterfilm. Es geht um Geld, um einen Koffer, um einen Boß, der gelinkt wird, um eine Zweckgemeinschaft zweier Nutznießer, um das Entkommen aus einer festgefahrenen Lebenssituation. Der Rest ist Schwelgen.

»God is a DJ«, und jener erschafft an jedem sechsten Tag der Woche eine Welt, die sich die Popmoderne erträumt, synthetisch von der Kleidung bis zur Droge. Nichts erinnert an die Welt da draußen, die vielleicht auch nicht wahrhaftiger ist, aber doch zumindest immer so tut als ob. Matthias Glasner macht sich und uns nichts vor. Er greift in die Vollen, konsequent und lückenlos. Zusammen mit seiner sensationellen Kamerafrau Sonja Rom kreiert er einen kreischend lebendigen Stil, variierend mit jeweiligen Handlungselementen. So zitiert er in bekannter Wischtechnik Wong Kar-wais Chungking Express, um die Flüchtenden im Anschluß in einen Asien-Imbiß stürzen zu lassen. An anderer Stelle zelebriert er perfekt gelackte Modefotographie, als Nicolette Krebitz zum x-ten Model-Casting stolziert, obwohl ihr ständig eine viel zu geringe Körpergröße attestiert wird. Die Brillanz der Bilder, die Agilität der Kamera, das Timing der Montage – all das fügt sich zu einem Hochglanz, wie er hierzulande noch nicht produziert wurde. Man mag das für oberflächlich halten, letztlich aber gelingt Fandango meisterlich, woran es vielen hapert: Fandango ist Kino. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #19.
© 2012, Schnitt Online

Sitemap