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Family Man

The Family Man. USA 2000. R: Brett Ratner. B: David Diamond, David Weissman. P: Beacon Pictures/Riche-Ludwig Production. K: Dante Spinotti. S: Mark Helfrich. D: Nicolas Cage, Téa Leoni, Don Cheadle, Jeremy Piven u.a.
Kinowelt ab 14.12.00
Von Carsten Tritt Wir erinnern uns alle noch an anno dazumal, als Bill Murray von einem Murmeltier zu einem besseren Menschen erzogen wurde oder wie ihm der Geist der gegenwärtigen Weihnacht in die Eier trat. Second Chance-Filme mit Twilight Zone-Touch scheinen in Hollywood jetzt wieder Hochkonjunktur zu haben, erst kürzlich mußte sich Bruce Willis von seinem alter Ego sagen lassen, daß er sein Leben verpfuscht habe, weil er keinen Hund besitze.

Diesmal trifft es Nicolas Cage, er spielt den Topmanager eines Großunternehmens, das so kapitalistisch ist, daß sogar am heiligen Weihnachtsabend noch Konzernzusammenschlüsse geplant werden müssen. Auch Herrn Cage wird natürlich der Geist der gegenwärtigen Weihnacht heimsuchen, und so findet er sich am nächsten Tag nicht im Bett seines Manhattaner Luxusappartements wieder. Er erfährt einen alternativen Lebensweg, den er eingeschlagen hätte, wenn er nicht vor zehn Jahren aus karrieretaktischen Gründen seine Verlobte verlassen hätte: Er hätte nun zwar kaum Geld, dafür aber eine Frau, ein Haus in New Jersey mit zwei Badezimmern, zwei Kinder und natürlich einen Hund. Und sein Geld verdient er nun nicht an der Wall Street, sondern im Reifenfachhandel.

Nicolas Cage ist der Family Man, und ihm und dem Zuschauer wird erläutert, wie schön doch das einfache Leben ist, wo man Hähnchen statt Lachs ißt und mit seiner Familie glücklich sein Leben verbringt. Dieser Respekt Hollywoods vor Otto Normalverbraucher mag durchaus löblich sein, fraglich ist jedoch, ob er ernst gemeint ist. Denn das alles wird in einem Amoklauf der Harmonie so übertrieben dargestellt, daß es selbst für einen Weihnachtsfilm übertrieben kitschig ist, es wirkt alles ein wenig so wie Hähnchen mit Zuckerguß.

Und so löblich es vom Filmemacher sein mag, auf eine negative Gegenfigur zu verzichten – selbst die Kapitalisten sind an sich ganz liebe Kerle, und das böseste, was im Film jemand tut, ist, daß er 9 $ zuviel gezahltes Wechselgeld unterschlägt – Spannung kommt hier nicht auf. Dies alles ist zu verlogen, um ernst genommen zu werden, und die ironische Distanz, die vielleicht ein Bill Murray eingebracht hätte, läßt Nicolas Cage ganz vermissen. Family Man ist der ideale Film für alle, denen es nicht reicht, wenn es zu Weihnachten schneit, sondern für die es auch noch rosa Schnee sein muß. 1970-01-01 01:00
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