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Die Familie Stone – Verloben verboten!

The Family Stone. USA 2005. R,B: Thomas Bezucha. K: Jonathan Brown. S: Jeffrey Ford. P: The Culver Studios. D: Sarah Jessica Parker, Dermot Mulroney, Claire Danes, Diane Keaton, Craig T. Nelson u.a.
100 Min. Fox. ab 15.12.05

Dem Untergang geweiht

Von Sebastian Gosmann Inwieweit widerlegt eine mißlungene Zusammenführung des geliebten Menschen mit der Familie – oder wahlweise dem Freundeskreis – die eigene Unfehlbarkeit bei der Partnerwahl? Thomas Bezuchas Zweitwerk beantwortet diese Frage unmißverständlich, ja geradezu überdeutlich: vollkommen.

Stets bedacht auf einen freundlichen und respektvollen Umgang miteinander, haben Sybil und Kelly Stone den liberalen Geist ihrer (Hippie?)-Jugend bis ins 21. Jahrhundert hinübergerettet und diesen erfolgreich an ihre fünf Kinder weitervermittelt. Jene Atmosphäre der tiefen Vertrautheit manifestiert sich gleich zu Anfang grundlegend mit dem Auftritt des jüngsten Sohnes Thad, durch dessen Taubheit die anderen Familienmitglieder einst dazu gezwungen wurden, die »American Sign Language« zu erlernen. Die Selbstverständlichkeit, mit der die Stones auf Kommunikation per »ASL« umschalten, sobald er den Raum betritt, macht den schier grenzenlosen innerfamiliären Zusammenhalt nahezu fühlbar. Auch Thads Homosexualität und die Beziehung zu seinem schwarzen Lebenspartner stellen keinerlei Herausforderung dar für das beträchtliche integrative Potential der Familie.

Geht man davon aus, daß bei einer derart liebenswerten Sippe – noch dazu zur rührseligen Weihnachtszeit – Türen nicht selten zu Toren werden, so belehren uns die Stones jedoch umgehend eines Besseren. Zwar öffnet sich der Schwiegertochter in spe die Tür des neuenglischen Familiensitzes, die Tore zu den Herzen seiner Bewohner hingegen tun dies nicht nur nicht, sie werden zusätzlich noch zugemauert. Da möchte einem die abgewiesene Meredith schon fast leid tun. Aber eben nur fast. Denn so leicht es dem Zuschauer fallen mag, die Familie Stone vom Fleck weg sympathisch zu finden, so schwierig ist es, an der mit maßgeschneidertem Kostümchen und strenggebundenem Pferdeschwanz angereisten New Yorker Karrierefrau Gefallen zu finden. Selbstredend steht Meredith unter immensem psychischen wie emotionalen Druck. In Ermangelung eines gehegten Interesses am Wohlergehen dieser unausstehlichen Protagonistin aber bleibt der Zuschauer liebend gern im Fanblock der Stones sitzen. Spätestens, wenn selbst Everett, ihr designierter Zukünftiger, an der Festtafel peinlich berührt die Augen verdreht, entgeht auch dem Betrachter nicht, was bei seiner Familie schon längst zur unumstößlichen Gewißheit gediehen ist: Meredith ist nicht die Richtige für ihn. »Jag' die Kleine vom Hof, bevor du einen schlimmen Fehler begehst!«, meint man das mit der titelgebenden Bagage mittlerweile eng verbündete Publikum unablässig rufen zu hören.

Drehbuchautor und Regisseur Thomas Bezucha läßt einfach kein gutes Haar an dieser Figur. Selbst die aufkeimende Liebe zwischen Meredith und dem Sonnyboy Ben Stone kann diesen Eindruck nicht überzeugend entkräften. Sie wird somit zwar aufgefangen und vor dem Schlimmsten bewahrt, bleibt jedoch auch im weiteren Handlungsverlauf blaß und unliebenswürdig. Ein nachvollziehbares Motiv für die – im Fall von Everett – einstmals empfundene als auch für die – im Fall von Ben – in ihrer Entfaltung befindliche Zuneigung für diese Frau bleibt uns Bezucha schuldig. So verkommt die einst vermutlich als erzählerischer Coup angelegte Halsüberkopfverliebtheit des zwischen die Fronten geratenen Everett beim Anblick der von Meredith zwecks moralischer Unterstützung herbeigerufenen bezaubernd-natürlichen Schwester Julie zwangsläufig zur nicht nur voraussehbaren, sondern gar herbeigesehnten Wendung.

Daß in der Folge auch noch die widerspenstige jüngste Tochter des Hauses unter die Haube kommt und somit alle, aber auch wirklich alle Anwesenden am Ende nicht mehr allein durchs Leben gehen, ist der bedauerlichen Tatsache geschuldet, daß im Innern dieses Filmes ein wahres Hollywood-Herz schlägt, welches den tragischen Krebstod seiner sanften Matriarchin Sybil nur mittels allgemeinen Liebesglücks zu kompensieren vermag. Dies ist insofern schade, da uns der großartige Craig T. Nelson und insbesondere die über alles erhabene Diane Keaton als sicherlich authentischste Paarverbindung in diesem Film schon den einen oder anderen großen Moment bescheren, sei dieser nun anrührender oder komischer Natur. 1970-01-01 01:00
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