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Falling into Paradise

D/SRB/NL/F 2004. R,B: Miloš Radovic. K: Piotr Kukla. S: Petar Putnikovic, Agnès Schwab. P: Neue Impuls Film, Mact Productions. D: Lazar Ristovski, Branka Katic, Simon Lyndon, Olivera Markovic u.a.
Arsenal ab 10.11.05

Bruchlandung in Belgrad

Von Tamara Danicic Irgendwann kann man Krieg nicht mehr ernst nehmen. Der Alltag ist schließlich kaum auszuhalten, und irgendwann fängt man sogar zu lachen oder zu feiern an. Es ist sicherlich kein Zufall, daß in Serbien während des NATO-Bombardements 1999 die wildesten und exzessivsten Raves gefeiert wurden. Das filmische Verlachen der Schrecken des Krieges ist eine ebenso legitime wie überzeugende Herangehensweise. Chaplin, Lubitsch, Altman haben mustergültig vorgemacht, woran der serbische Regisseur Miloš Radovic kläglich scheitert.

Es geht hier um ein Paradies der besonderen Art: Der cholerische Hobby-Rambo Lubi holt mit Hilfe einer auf dem Schwarzmarkt erstandenen Rakete eine AWACS-Maschine vom Belgrader Himmel. Im Gegensatz zu Lubi hat seine Schwester Dusa aber keineswegs Rache an der amerikanischen Geisel im Sinn. Vielmehr träumt sie davon, daß »ihr Bobby« sie mitnehmen wird in das echte Paradies Amerika. Bobby wiederum sieht das ganz anders und setzt alles daran, aus diesem Irrenhaus heil herauszukommen. Doch da neben Lubi noch ein paar mehr Psychopathen hinter ihm her sind, bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich an einem (mißglückten) Anschlag gegen Präsident Slobodan Milosevic zu beteiligen.

In der serbisch-holländisch-deutsch-französischen Koproduktion wird geschossen, gegaunert und geflucht, was das Zeug hält. Und natürlich auch geliebt. Denn im Herzen der Kriegsburleske steht die romantische Liebesgeschichte – Völkerverständigung von Frau zu Mann sozusagen. Wenn es doch nur so einfach wäre…

In den letzten Jahren scheint sich so manch ein Filmemacher aus dem ehemaligen Jugoslawien an den Erfolg von Meister Emir Kusturica drangehängt zu haben. Die Formel scheint einfach: Der Balkan als Tollhaus, als Kabinett der Skurrilitäten, als Spielwiese für Ganoven. Kusturica selbst beherrscht das mittlerweile schon so perfekt, daß es zum bloßen, sich selbst recycelnden Handwerk geworden ist. Falling into Paradise aber wirkt einfach nur arg bemüht nachgemacht. So sehr sich der Film (dessen ursprünglich geplanter Titel »Welcome to Marlboro Country« an dem fehlenden Placet von Philipp Morris scheiterte) auch abstrampelt, irgendwie will die Möchtegern-Realsatire einfach nicht in Gang kommen. Zu abgedroschen wirken die Wilden-Serben-Klischees, zu überanstrengt die Irrungen und Wirrungen des Plots, zu plakativ der fast schon obligatorische Blechbläser-Soundtrack. Bei Radovic läßt sich Krieg weder ernst nehmen noch ist er wirklich komisch. 1970-01-01 01:00
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