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Express, Express

Ekspres, Ekspres. SL 1996. R: Igor Sterk. B: Matjaz Pograjc, Igor Sterk. K: Valentin Perko. S: Stanko Kostanjevec. M: Mitja Vrhovnik-Smrekar. P: A.A.C. D: Gregor Bakovic, Barbara Cerar, Grega Cusin u.a.
Neue Visionen ab 30.12.99
Von Manuela Brunner Zugfahren ist die beste Medizin für kranke Seelen. Die körperliche Bewegung bringt den Geist zur Ruhe. Brillante Ideen entstehen im Zug, und das Drehbuch zu Express, Express zeugt von der seltsamen Mischung aus glasklaren und verträumten Gedanken, wie sie nur beim Zugfahren entstehen.

Zwei einsame Menschen treffen sich – »die Augen, Pupillen, die Lider….was war das? Vielleicht Dein Lebensglück….« – und eine Liebesgeschichte nimmt ihren Lauf. Bekanntschaften im Zug sind entweder von horrender Geschwätzigkeit oder gedankenschwerem Schweigen gekennzeichnet. Viel gesprochen wird in Igor Sterks Film nicht. Dies schafft Raum für eine atemberaubende Schönheit und lebendige Poesie, die sich synästhetisch auf zwei Ebenen entfaltet. Einmal in der malerischen Musikgestaltung und noch viel stärker in den Bildern der sommergoldenen slowenischen Landschaft. Wärme strahlt aus diesem Film, eine Wärme und Kraft, der sich eine winterkalte Seele sehnsuchtsvoll entgegenstreckt, sich fallen läßt und sich einkuschelt in Sterks Traumwelt und eine Zeit, in der das Wünschen noch geholfen hat.

So beschwört Gregor Bakovic mit einem wilden vivaldiuntermalten Tanz nicht nur den Regen, sondern auch die verlorene Zugbekanntschaft herbei. Seine Tanzpartnerin ist eine schwerelose Kamera. Wenn das Geld nicht bis Rom reicht, dann wird der Filzstift zum Zauberstab und erschafft den Trevibrunnen am Kleinstadtbahnhof. Gestalten aus der realen Märchenwelt bevölkern die Züge und Bahnhöfe, der Mann mit den Luftballons, der Mann mit dem Vogelkäfig, die fußballverrückten Bahnangestellten und nicht zuletzt sie und er – einzigartig und doch vertraut, weil sie genau den Typ Mensch repräsentieren, der nirgends als im magischen Umkreis von Schienen existiert. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #17.
© 2012, Schnitt Online

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