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Der Exorzist – Director's Cut

The Exorcist. USA 2000. R: William Friedkin. B: William Peter Blatty. K: Owen Roizman. S: Jordan Leondopoulus. M: Krzystof Penderecki, Hans Werner Henze, George Crumb. P: Warner. D: Linda Blair, Ellen Burstyn, Max von Sydow, Jason Miller u.a.
132 Min. Warner ab 15.3.01

Atmosphärische Stille

Von Manuela Brunner Die spitzesten, stechendsten Buchstaben des Alphabets – optisch wie klanglich. William Friedkins große Teufelsaustreibung schickt sich an, wieder viele verängstigte Menschen nach den Spätvorstellungen in die dunkle, böse Nacht zu entlassen. Einen Director's Cut sieht man sich normalerweise an, um zusätzliches Filmmaterial zu sehen, das auf dem Schneidetisch weichen mußte, meist, weil es vor den Augen des Testpublikums keine Gnade fand.

Für den Exorzist soll es 1973 gar keine Test-Vorführungen gegeben haben. Die neue Schnittversion ist eigentlich ein Writer's Cut. William Peter Blatty soll William Friedkin dazu aufgefordert haben, die elf Minuten unveröffentlichten Materials aufzunehmen. Bestimmt stand da aber im Hintergrund, mit Morley's-Zigarette, zerfurchtem Gesicht und verfallenen Händen ein geldgieriger Verleiher.

Aber es sind gar nicht diese elf Minuten (die den Besitzern der Special Edition-DVD gar nicht so unbekannt sein dürften) und auch nicht die paar zusätzlich eingefügten Effekte, die den neuen Exorzist sehenswert machen. Hauptsächlich ist diese neue Version hörenswert. Wohl eher aus der Not geboren als aus ästhetischen Gedanken ist die überarbeitete, digitale Tonspur des Films. Nicht für das tiefe Knurren und das heisere Röcheln des Teufelsmädels hätte der Film sie nötig gehabt oder wegen der spitzen Schreie: Der große Gewinn ist die Stille. Glasklare Stille, die den schweifend-suchenden Kamerabewegungen Owen Roizmans Raum verleiht. Ein 28 Jahre alter Film beweist, daß THX und Dolby Digital nicht für Weltraumschlachten erfunden wurden, sondern für die Atmo. Und von dieser Stille gibt es mehr, als in meiner akustischen Vorstellung des Exorzist vorhanden war.

Erstaunlich, wie wenig Raum die berühmten Schocker-Szenen doch einnehmen. Wohl dosiert, mit einem langen, langen Vorlauf und behutsam aufgebautem Spannungsbogen angelegt – angesichts dessen, was sich in letzter Zeit unter dem traurigen Label »Horrorfilm« versammelt, ich denke da zum Beispiel an The Calling und Lost Souls, ist es mehr als legitim, mit dem Exorzist an die Zeiten zu erinnern, als das Publikum noch zu schocken war, als ein Tonbandgerät noch unheimlich sein konnte. 1970-01-01 01:00

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