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Exorzist – Der Anfang

Exorcist – The Beginning. USA 2004. R: Renny Harlin. B: Alexi Hawley. K: Vittorio Storaro. S: Mark Goldblatt, Todd E. Miller. M: Trevor Rabin. P: Morgan Creek, Dominion. D: Stellan Skarsgard, Izabella Scorupco, James D'Arcy, Remy Sweeney u.a.
113 Min. Warner ab 18.11.04

Renny macht ernst

Von Carsten Tritt Exorzist – Der Anfang gründet sich im wesentlichen auf einen Satz aus dem Original-Exorzisten von 1973, in welchem erwähnt wurde, daß die dortige Titelfigur Pater Lankaster Merrin in Afrika schon einmal einen Exorzismus durchgeführt habe.

Zwar hat Skarsgard in seiner Interpretation des Merrin mit dem Originaldarsteller Max von Sydow nicht viel mehr gemein, als daß beide Schweden sind. Dennoch steht somit bereits bei Filmbeginn folgendes bezüglich des Schicksals des Protagonisten während der anstehenden 113 Min. fest:

1.) Lankaster Merrin wird einen Exorzismus durchführen.
2.) Lankaster Merrin wird den Film überleben.
3.) Lankaster Merrin wird zu seinem Glauben an Gott zurückfinden (nachdem er sich, wie zu Filmbeginn erfahren, in einer tiefen seelischen Krise bezüglich der vermeintlichen Abwesenheit Gottes auf Erden befindet).

Womit Exorzist – Der Anfang vor allem den Beweis dafür antritt, daß es bei wirklich guten Filmen egal ist, wenn man weiß, wie es ausgeht, denn der Weg ist das Ziel.

Diesen Weg bestimmt für Lankaster Merrin vor allem Renny Harlin, zusammen mit Aki Kaurismäki wohl der herausragendste Regisseur, den Finnland der Filmwelt geschenkt hat. Anders als Kaurismäki hat sich Harlin vor allem als Meister von Action-, Horror- und Slasher-Filmen etabliert. Zu seinen bekanntesten Werken gehören Die Harder, Cliffhanger oder der alljährliche Pro7-Weihnachtsklassiker The Long Kiss Goodnight, heuer startete bereits sein ebenfalls sehr sehenswerter Mindhunters in den Kinos.

In dem Exorzisten-Prequel bedient sich Harlin der klassischen Elemente eines B-Films, bei dem doch ein bißchen Budget übrig war; er arbeitet mit scheinbar unsinnigen Kranfahrten, Froschperspektiven und dunklen Räumen, während auf der Tonspur der Subwoover seinen ganz großen Tag feiern darf. Man möchte zudem unterstellen, daß Harlin ob der protestantischen Prägung seiner Heimat von Anfang an nicht die Absicht gehabt haben dürfte, den katholisch-religionswissenschaftlichen Aspekten der Handlung allzusehr nachzugehen. Aus einer herausragenden Komposition eher plakativer Elemente versetzt Harlin seinen Zuschauer in eine Erwartung fieser Schockeffekte, im Hintergrund stets das oben erwähnte vorgegebene Ende als Form von Suspense i.w.S., setzt diese Schockeffekte dann eher sparsam, doch sehr dezidiert ein, um sie so zur vollen Wirkung kommen zu lassen.

Im Gegensatz zu einigen seiner anderen Genrebeiträge wie Deep Blue Sea, der auch dann ganz hervorragend funktioniert, wenn man ihn statt als Monsterfilm als Komödie betrachtet, verzichtet Harlin diesmal auf jegliche selbstironische Brechung. Renny Harlin macht ernst, und wenn Renny Harlin ernst macht – so wird der Zuschauer schon recht früh in dem Film erfahren – bringt er sogar kleine Kinder um. Diese Brutalität, die Harlin dem Zuschauer zumutet, entwickelt sich dabei in ihren intensivsten Momenten eben nicht aus Splattereffekten, sondern aus vor allem psychischer Verdichtung des Gezeigten.

Exorzist – Der Anfang ist, um das oben Gesagte kurz zusammenzufassen, sicher einer der gelungensten, aber auch einer der härtesten Horrorfilme der letzten Jahre. Eine willkommene Ausnahme von den zahlreichen seelenlosen amerikanischen Genrebeiträgen der jüngsten Zeit, wenn auch die Seele hier tiefschwarz ist, und sicherlich nicht für allzu sensibles Publikum geeignet. Bei der Kritik zu Deep Blue Sea schrieb seinerzeit schon ein anderer verantwortlicher Schnitt-Redakteur: Renny räumt den Magen auf. Daran hat sich bis heute nichts geändert. 1970-01-01 01:00
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