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Evolution

USA 2000. R: Ivan Reitman. B: Don Jakoby, David Diamond, David Weissman. K: Michael Chapman. S: Sheldon Kahn, Wendy Greene Bricmont. M: John Powell. P: Montecito. D: David Duchovny, Julianne Moore, Orlando Jones, Seann William Scott, Dan Aykroyd u.a.
98 Min. Columbia ab 19.7.01
Von Oliver Baumgarten Alles ist Teil der Evolution: Die einen retardieren, die anderen entwickeln sich in rasender Geschwindigkeit. Zur ersten Kategorie zählt Ivan Reitman, zur zweiten seine triefigen außerirdischen Zellen, die via Meteor auf die Erde gelangen. Das Schöne daran: Es bekommt beiden ausgesprochen prächtig.

Nachdem er dreimal bemüht war, das Komödiantische in Schwarzenegger zu wecken, knüpft der gebeutelte Ivan Reitman endlich inhaltlich und formal an sein 80er-Schleimspektakel Ghostbusters an und kreiert mit Evolution ein B-Movie, wie es lange nicht mehr zu sehen war: Unverbrämt altmodisch spult sich in beachtlichem Tempo ein Konglomerat aus kanonisierten Mainstream-Zutaten ab – was aber in der Regel sogleich (nicht selten zu Recht) abqualifiziert wird, gewinnt in Evolution eine bemerkenswerte Kraft, hervorgerufen durch eine unverkrampfte Selbstironie, wunderbar alberne Dialoge und das befreite Chargieren der bekannten Gesichter, die sich unbefangen zu ihren Stereotypen bekennen.

Julianne Moore klatscht gegen Glastüren, Flugsaurier tyrannisieren ein Einkaufszentrum, und David Duchovny freut sich schon, bevor er es ausspricht, über die sicheren Lacher: »Die Regierung einschalten? Nein, damit habe ich so meine Erfahrung.« Knick knack, Sie wissen schon. Und wenn am Ende die gesamte Truppe mit einem roten, schleimbeladenen Feuerwehrauto auf den Showdown zufährt, spätestens dann fühlt es sich ob der Konnotation zum Ghostbusters-Cadillac wirklich wie ein Reitman-Film an.

Bei so viel M.I.B., Jurassic Park, Katastrophenfilm und Ghostbusters – wo bleibt denn da die Innovation? Der US-Mainstream war schon immer Meister im Verkörpern postmoderner Tugenden. Eine davon preist nachdrücklich die Qualität der phantasievollen Variation als würdigen Platzhalter der Innovation. Und das trifft bei Evolution weniger auf die exotische Story zu (Außerirdische Dinosaurier okkupieren die Erde), als vielmehr auf die gelungene Verknüpfung der filmischen Mittel. Ein Spaß also, der seine Methode sicher in der langen Zusammenarbeit von Reitman, seinen Cutterinnen und Michael Chapman findet. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #23.
© 2012, Schnitt Online

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