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A Night at the Roxbury

USA 1999. R: John Fortenberry. B: Steve Koren u.a. K: Francis Kenny. S: Jay Kamen. M: David Kitay. D: Will Ferrell, Chris Kattan, Molly Shannon u.a.
82 Min. UIP ab 8.7.99

Eine wie keine

She's all that. USA 1999. R: Robert Iscove. K: Francis Kenny. S: Casey O. Rohrs. D: Anna Paquin, Freddie Prinze Jr., Kevin Pollak, Paul Walker, Rachael Leigh Cook u.a.
95 Min. Kinowelt ab 1.7.99

Eve und der letzte Gentleman

Blast from the Past. USA 1999. R,B: Hugh Wilson. B: Bill Kelly. K: Jose Luis Alcaine. D: Brendan Fraser, Alicia Silverstone, Christopher Walken u.a.
98 Min. Kinowelt ab 30.9.99

Sommerschrott aus Hollywood

Von Thomas Waitz Eine wie keine: ein Film wie alle. Junge trifft Mädchen. Junge heißt Zack und sieht super aus. Mädchen heißt Laney und sieht auch super aus. Aber Mädchen hat Brille. Brille ist nicht so gut. Der Film erzählt die Geschichte, wie das Mädchen die Brille abnimmt – angesiedelt in einer Scheinwelt aus US-Mittelschichtsphänomenen wie spring break, The Real World und Highschool.

Teenagerfilme, wie sie das amerikanische Studiosystem produziert, haben sich im Laufe der letzten 40 Jahre nicht weiterentwickelt: Vordergründig sind Mode und Jugendsprache (oder das, was Drehbuchautoren dafür halten) natürlich nicht gleichgeblieben. Das ist aber auch schon alles.

So, wie die Figuren des Films nur role models sind, bleiben auch die Schauspieler völlig austauschbar: Glatte Gesichter aus der Werbung – ohne Brillen natürlich. Bildsprachlich ist Eine wie keine allenfalls Mittelmaß, ausgerichtet an den Sehgewohnheiten und der Ästhetik von Beverly Hills 90210 und Buffy – Im Bann der Dämonen. Das ist gewollt, wie auch die vielen choreographierten Gruppenszenen (etwa die Anfangssequenz), die inszeniert sind wie Tänze - es gibt tatsächlich einige flaue Tanzeinlagen. Doch in Eine wie keine entwickelt sich Kommunikation zwischen den Figuren – und sei es durch Tanz – niemals aus sich selbst heraus, sondern wird erdrückt von einem Gerüst formaler Konventionen. Wenn Laney nach Hause kommt, sitzengelassen von Zack, dann wartet der bereits dort auf sie. Nicht in der Ecke, auf dem Sofa, sondern mitten im Zimmer, wie eine Eins. Wie lange schon? In einem Land, in dem das Dating ritualisiert ist bis aufs letzte, ist es vielleicht nicht verwunderlich, wenn statt menschlicher Regungen tatsächlich nur Emotionssimulation übrigbleibt. Voller Klischees, regressiv in seiner ganzen Themenwahl, ist der Film durch und durch reaktionär. Die Eltern wissen am Ende doch, was richtig ist für ihre Sprößlinge. Sex ist erlaubt, aber bitte: schön brav. Am Ende wird für Zack und Laney die gemeinsame Beziehung zur »éducation sentimentale«, aber einer, bei der die Gefühle so falsch sind wie alles andere, und deren tiefschürfendste Erkenntnis lautet: »People have feelings, man.«

Wenn für Eine wie keine zutrifft, daß eine solide erzählte Geschichte vordergründigen Effekten geopfert wird, dann gilt das erst recht für A Night at the Roxbury, mit Ausnahme der soliden Geschichte freilich. Das vor schier unglaublicher Schlichtheit strotzende Filmchen ist ein auf Spielfilmlänge aufgeblasener 2-Minuten-Sketch aus Saturday Night Live, einer amerikanischen Comedy-Show, die ihren »Kultstatus« insbesondere bei denjenigen genießt, die sie noch nie gesehen haben. Mit erfrischend talentfreien Darstellern bestückt, handwerklich miserabel gestaltet und infantil bis an die Schmerzgrenze, steht dieses Film gewordene Stück Unfähigkeit pars pro toto für die Dreistigkeit einer Unterhaltungsindustrie, deren ganze Hybris in der Annahme gipfelt, daß der Zuschauer ja doch nichts merke.

Richtig schade hingegen ist es um Eve und der letzte Gentleman, der seine gute, wenngleich wenig originelle Idee, trotz der phantasievollen und detailverliebten Ausstattung an eine unglaubwürdige Liebesgeschichte verschenkt: Eine Familie versteckt sich aufgrund der Annahme, es habe einen radioaktiven Fall-Out gegeben, 40 Jahre unter der Erde und kommt in den »wüsten« 90ern wieder zu Tage. All-American-Girl Alicia Silverstone ist die Fehlbesetzung des Jahres. Der Film findet schließlich da zu sich selbst, wo es um die Restaurierung der 50er Jahre geht: gutes »Benehmen«, Respekt vor den Eltern, Unterordnung der Frau. Möge dieser Film den Erfolg haben, den er verdient, nämlich gar keinen. Schmollschnute Silverstone hingegen sei noch eine lange Karriere gewünscht. Vorzugsweise beim Hörfunk, für den sie das richtige Gesicht hat. 1970-01-01 01:00

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