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Est-Ouest

F 1999. R,B: Regis Wargniér. B: Sergei Bodrov, Louis Gardel, Rustam Ibragimbekov. K: Laurent Dailland. S: Hervé Schneid. M: Patrick Doyle. P: UGC/Gala/Mate. D: Sandrine Bonnaire, Oleg Menshikov, Catherine Deneuve, Sergei Bodrov jr., Ruben Tupiero u.a.
113 Min. UIP ab 29.6.00
Von Thomas Warnecke Es gibt Regisseure, die nichts mehr zu interessieren scheint als vergangene Epochen. Und damit ist nicht nur der virtuelle Kulissenschieber Ridley Scott gemeint, auch nicht die Merchant-Ivory-Filme. Vielmehr geht es um Regisseure wie David Lean, die gleichsam als Sachwalter des kolonialen Erbes ihrer Nation Filme drehen, bei denen sie sich wie Kolonialisten in Länder respektive Zeiten begeben, die nicht die ihren sind, um dann umso unbeschwerter und freier in Bildern seliger Zeiten schwelgen zu können.

Doktor Schiwago hat mit dem Rußland seiner Zeit, selbst seiner literarischen Vorlage wenig zu tun. Das ist nicht schlimm, wer so opulent erzählt, dem sei Lügen verziehen. Regis Wargniér will nicht lügen und läßt sich die Geschichte immer wieder von Texteinblendungen bestätigen; selbst das glückliche Ende wird in Form eines Textes mitgeteilt.

Besonders die immer wieder eingeblendeten Zeitangaben machen die Geschichte nicht glaubwürdiger, sondern unübersichtlich. Es geht um einen Exilrussen, der mit seiner französischen Frau 1946 in die Sowjetunion zurückkehrt, angelockt von, wie sich bald herausstellt, falschen Versprechungen Stalins. Es kommt, weil sie mit verschiedenen Personen die Wohnung teilen müssen, zu Neid und Mißgunst, Bespitzelungen und erotischen, also melodramatischen Verstrickungen, die durchaus überzeugend inszeniert sind: Das verstohlene Spiel der Blicke ist das spannendste in Est-Ouest.

Sandrine Bonnaire und vor allem ein verschlossener Oleg Menshikov verkörpern überzeugend den Kampf um eine Ehe, der die Privatsphäre gestohlen wird. Dieses Kammerspiel könnte in Erinnerung bleiben, würde im zweiten Teil des Films nicht eine mäßig spannende, viel zu lange Fluchtgeschichte folgen. Immerhin, Catherine Deneuve spielt ein wenig sich selbst, verhilft der Landsfrau zur Flucht und dem Film noch zu ein wenig Interesse. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #19.

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