— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Escape to Life – Die Erika und Klaus Mann Story

GB/D 2000. R,B: Andrea Weiss, Wieland Speck. K: Uli Fischer, Ann T. Rosetti, Nuala Campbell. S: Andrea Weiss, Prisca Swan. M: John Eacott. P: Jezebel/zero. D: Raffael Reisig, Coraly von le Fort, Cora Frost, Maren Kroymann u.a.
84 Min. Piffl ab 5.4.01
Von Thomas Warnecke Die Flucht ins Leben, wie die Lebensgeschichte Erika und Klaus Manns apostrophiert ist, ist vor allem scheinbar unablässige Bewegung, die immer wieder eingeschnittenen historischen Aufnahmen abfahrender und ankommender Züge versinnbildlichen die Rastlosigkeit als Lebensmotiv.

Ebenso wird das Exil zur Kreuzung der verschiedensten Lebenswege, illustre Namen finden sich auf den Titelseiten der meist kurzlebigen Zeitschriftenprojekte Klaus Manns wieder. Seine Rastlosigkeit ist eine intellektuelle; er wird mehr und mehr zur dunklen Hälfte der »Thomas Mann's Twin Children«, wie sie ein amerikanisches Plakat apostrophiert. Er lebt vor allem im literarischen Werk, das in den eingefügten Spielszenen die fehlenden filmischen Dokumente aus seinem Leben ersetzt.

Von Erika dagegen gibt es bewegte Bilder, sogar eine Nebenrolle in Mädchen in Uniform von 1931. Sie ist der antreibende, vitale Part nicht nur der Doppelbiographie; immer wieder schaut sie herausfordernd dem Publikum aus einer Originalfilmaufnahme der legendären »Pfeffermühle« ins Gesicht: Mit Kapitänsmütze schwingt sie sich zur Leiterin einer fiktiven Reisegesellschaft auf und wird so zur Moderatorin des Films. Die so doppelt dokumentierte Beweglichkeit der begeisterten Autofahrerin, die für Ford Rennen fuhr (und gewann), deutet eine Souveränität dem Leben gegenüber an, die Klaus nie erreichen sollte.

Andrea Weiss und Wieland Speck haben ein ambivalentes Porträt der berühmten Geschwister und ein schillerndes Zeitbild geschaffen. Fast enzyklopädisch klingen alle Motive an, die mit der Weimarer Zeit und ihrer Fortsetzung im Exil verbunden werden. Filmisch aufgelöst durch ein ständiges Ineinandergreifen von Originalmaterial, Spielszene und Interview, erzählenden und dokumentierenden Passagen. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #22.
© 2012, Schnitt Online

Sitemap