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Erbsen auf halb 6

D 2003. R,B: Lars Büchel. B: Ruth Toma. K: Judith Kaufmann. S: Peter R. Adam. M: Max Berghaus, Dirk Reichardt, Stefan Hansen. P: Senator/Mr. Brown Entertainment. D: Fritzi Haberlandt, Hilmir Snaer Gudnason, Harald Schrott, Tina Engel, Jenny Gröllmann, Alice Dwyer, Max Mauff, Annett Renneberg u.a.
90 Min. Senator ab 4.3.04

Kredit verspielt

Von Carsten Happe Es empfiehlt sich, sich bei Pressevorführungen bereits während des Abspanns eine druckfähig vorformulierte Bewertung des eben Gesehenen zurechtzulegen. Unter Umständen läuft man nämlich noch im Foyer dem Pressebetreuer des Verleihs in die Arme und ist gezwungen, ad hoc seine Meinung kundzutun, oder man findet sich plötzlich inmitten anderer Rezensenten wieder, die dank des vorbildlichen Einsatzes ihrer Minitaschenlampe den letzten Absatz ihres Textes noch in der Dunkelheit des Kinosaals zu Papier gebracht haben und diesen nun fehlerfrei rezitieren.

Manchmal jedoch hat man das Glück einer Vorführung beizuwohnen, bei der eine nahezu konsensfähige Meinung bereits während des Films gebildet wird, nicht in schweigendem Einvernehmen, sonders geradezu lauthals – konkret: Ein Kollege am linken Rand meiner Sitzreihe hat im Laufe der 90 Minuten von Erbsen auf halb 6 mehrmals laut aufgestöhnt.

Er ist weder leise davongeschlichen, noch scharrte er ungeduldig mit den Füßen, permanent auf die Uhr schauend – nein, ihm gefiel durchaus, seine Meinung dem versammelten Auditorium über die komplette Länge des Films nicht vorzuenthalten. Und er hatte vollkommen recht. Erbsen auf halb 6 ist ein Film, dessen einzig adäquate Gefühlsregung ein Stöhnen sein kann, sei es innerlich oder lauthals; ob seiner hanebüchenen Erzählung von zwei Blinden, die nach den obligaten Hindernissen langsam zueinander finden, ob der ungelenken Schauspielerführung, die etliche Figuren komplett im Regen stehen läßt, ob der klischeehaften Personenkonstellation, dessen Vorhersehbarkeit noch eine der positiven Eigenschaften darstellt.

Lars Büchel und Ruth Toma gelingt es, in ihrer zweiten Zusammenarbeit nach dem ebenso mißglückten Jetzt oder nie – Zeit ist Geld jegliche Originalität oder auch Dramatik konsequent zu umgehen, ein paar schöne Bilder der Einsamkeit stehen verloren im Raum. Allein die patente Fritzi Haberlandt zeigt ein wenig ihres Talents, alle anderen haben ihren Kredit hiermit verspielt. 1970-01-01 01:00
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