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Enigma

GB 2001. R: Michael Apted. B: Tom Stoppard. K: Seamus McGarvey. S: Rick Shaine. P: Jagged Films. M: John Barry. D: Dougray Scott, Kate Winslet, Saffron Burrows, Jeremy Northam u.a.
118 Min. Senator ab 22.11.01
Von Matthias Grimm Bekanntlich war das Knacken des Enigma-Codes der Nazis ein entscheidender Wendepunkt im Zweiten Weltkrieg. Große Taten verlangen im historischen und damit filmischen Bewußtsein nach einem Helden, und dessen Geschichte folgt Michael Apted in Enigma.

Das Thema ist nicht neu, das Genre auch nicht, irgendwas zwischen Politthriller und Kriegsdrama möchte man meinen, doch Apted versucht es auf andere Weise: Enigma wählt die historische Kulisse, um eine klassische Detektivgeschichte zu erzählen, irgendwo zwischen Film noir und Agentenkrimi. Das ist gut, denn so reduziert er die Szenen auf ein Minimum, in welchen dem Mainstream-Publikum in technischem Kauderwelsch Chiffrieralgorithmen erklärt werden, und er muß seine Spannung nicht aus anderen Szenen beziehen, die eifrige Streber zeigen, welche, unter an den Haaren herbeigezogenen Deadlines, kryptische Buchstabenreihen entziffern müssen und dies in letzter Sekunde auch schaffen. Apted erzählt vom gefallenen Helden, einst so brillant und nun an gebrochenem Herzen zugrunde gehend.

War seine Freundin eine Spionin?, so fragt der Film, und natürlich gerät er bei seinen Nachforschungen selbst in Verdacht. Man ahnt bereits: Es bleibt eine Deadline, die nach rascher Lösung des Falles verlangt. Schade, daß Apted hier ein bekanntes Muster gegen ein anderes austauscht und es ihm kaum gelingen mag, beide reizvoll miteinander zu kombinieren. Die Crime Story allein kann den Film nämlich nicht tragen: Was Hitchcock einst über die Steuerung des Informationsradius zwischen Suspense und Surprise lehrte, ließ Autor Tom Stoppard offensichtlich kalt, denn so wird der Zuschauer entweder böse überrascht oder er wundert sich, warum den Protagonisten Offensichtliches erst mit dem Hammer eingeprügelt werden muß. Vielleicht hätte Apted doch lieber die Streber beim Kreuzworträtseln filmen sollen: Das wäre zwar nicht spannender, aber wenigstens historisch korrekt gewesen. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #24.
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