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Engel des Universums

Englar Alheimsins. IS/D/N/DK 2000. R: Fridrik Thor Fridriksson. B: Einar Már Gudmundsson. K: Harald Gunnar Paalgard. S: Skule Eriksen, Sigvaldi J. Kárason. M: Hilmar Örn Hilmarsson. P: Fridrik Thor Fridriksson. D: Ingvar Eggert Sigurdsson, Baltasar Kormákur, Björn Jörundur Fridbjörnsson u.a.
97 Min. Advanced ab 12.4.01
Von Tamar Noort Es war einmal ein Land, das wurde von Elfen, Trollen und anderen Geistern beherrscht. Das Land war rauh, wüst und kalt, und die Menschen, die dort lebten, lebten in Frieden mit den Geistern zusammen. Doch das sollte sich ändern.

In Island wurde kürzlich eine neue Straße gebaut, durch ein Gebiet, das allseits als von Trollen bewohnt bekannt war. Nach einer Reihe mysteriöser Unfälle, bei denen die Bauarbeiten ständig behindert wurden, verstand man die Botschaft der Geisterwelt und fügte sich, weshalb die Straße heute einen völlig sinnlosen Knick um das Trollengebiet herum macht.

Fazit? Island ist ein Land, indem das Erzählen von Märchen eine lange Tradition hat und der Aberglaube zum Alltag gehört. Die Grenze zwischen Realität und Fiktion, zwischen Normalität und Wahnsinn ist nirgends so verschwommen wie hier. In diesem Klima setzt Fridriksson seinen Film an und entwickelt konsequent eine Wechselwirkung zwischen Innen und Außen, zwischen empfundener Realität und wahrgenommenen Wahnsinn. Innen, das ist der Mikrokosmos aus verlorener Liebe, aus ekstatischer Kunst und ohrenbetäubender Musik, das ist die Welt, die der schizophrene Paul mit seinen eigenen Geistern bevölkert.

Doch es ist die Welt der Anderen, in der er leben muß und sich zunehmend schlechter zurechtfindet. Fridriksson entwirft keine Studie über die Schizophrenie an sich; vielmehr zeigt er in eindrucksvoll ruhigen Bildern, wie ein Einzelner an der Realität zerbricht.

Ingvar Eggert Sigurdsson gibt der Figur des Paul die Tragik, die sie braucht, weicht ihr jedoch nie von der Seite: Trotz aller Komik, die im Wahnsinn liegt, nimmt der Zuschauer Paul stets Ernst. Und so verwundert es am Ende gar nicht, daß Paul nicht glücklich und zufrieden lebt bis ans Ende seiner Tage. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #22.
© 2012, Schnitt Online

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