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Das Ende einer Affäre

The End of the Affair. GB 1999. R,B: Neil Jordan. K: Roger Pratt. S: Tony Lawson. M: Michael Nyman. P: Stephen Woolley. D: Ralph Fiennes, Julianne Moore, Stephen Rea, Ian Hart, Jason Isaacs u.a.
103 Min. Columbia ab 17.2.00

Steter Tropfen höhlt den Stein

Von Oliver Baumgarten Normalerweise ist dies eine Technik niederer Fernsehkrimiunterhaltung: Alle 15 bis 20 Minuten wird das bisher Geschehene noch einmal in komprimierter Wiederholung dialogisch repitiert. Auf diese Weise vermag jeder Unkonzentrierte, Blasenschwache, Minderbemittelte oder jede nebenbei arbeitende Hausfrau der ohnehin simplen Handlung noch exakt zu folgen. Was als Pragmatismus im Fernsehen noch irgendwie Sinn zu machen scheint, das scheitert als dramaturgisch-künstlerisches Konzept im Kino dann doch recht kläglich.

Die Rückblendentechnik von Graham Greenes Romanvorlage setzt Neil Jordan um in ewigliche Wiederholungen bereits gezeigter Bilder, denen durch eine Offstimme lähmend zäh vermeintlich neue Erklärungen zuteil werden. Auf solche Weise kann sich ein Ende einer Affäre schon mal hinziehen – in diesem Fall satte 103 Minuten, von denen Jordan vermutlich nur etwa ein Drittel drehen mußte. Den Rest hat er mit Recycling-Bildern gefüllt.

Opfer dieser bleiernen Montagetechnik wurde die an sich bewegende Geschichte um Maurice Bendrix, der während des Zweiten Weltkrieges eine leidenschaftliche Affäre mit der verheirateten Sarah Miles pflegt. Nachdem sie die Beziehung von heute auf morgen beendet hatte, trifft er sie 1946 zufällig wieder und beginnt, ihr mit Hilfe eines Detektivs nachzuspionieren. Seine unbändige Eifersucht läßt ihn im Glauben, Sarah habe ihn für zahlreiche andere Liebhaber sitzen lassen. Der Grund allerdings, warum sie es tat und damit die Auflösung des Films, erinnert in seinem katholizistischen Fatalismus unangenehm an Breaking the Waves und erscheint mindestens ebenso aufdringlich.

Auf Neil Jordan konnte man sich ja leider noch nie verlassen. Zum Teil großartigen Filmen wie Mona Lisa, The Crying Game oder seinem Höhepunkt The Butcher Boy setzte er in gleichem Maße schlechte Werke von Michael Collins bis Interview with the Vampire entgegen. Das ergibt zwar ein vielschichtiges Œuvre, erhöht aber nicht zwingend das Vertrauen in einen Regisseur, der zudem regelmäßig Stephen Rea besetzt. Als gehörnter und sich diesem Schicksal ergebener Ehemann trifft Rea im Ende einer Affäre allerdings durchaus den Ton, ebenso wie Ralph Fiennes. Besonders Letzterer gibt alles, um möglichst authentisch in die bemühten Film-noir-Bilder des verdienten Kameramannes Roger Pratt (Brazil) zu passen, der die unglaubliche Langeweile des Films aber nun wirklich nicht zu verantworten hat. Denn handwerklich, das beweist auch der ebenso verdiente Cutter Tony Lawson, der schon für Kubrick und Peckinpah schnitt, handwerklich ist dem Film wenig vorzuwerfen. Hier sind es eindeutig die Autoren- und Regieentscheidungen, die Das Ende einer Affäre zu dem machen, was es nicht hätte sein müssen: stinklangweilig! 1970-01-01 01:00
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