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Elsa und Fred

Elsa y Fred. E/RA 2005. R,B: Marcos Carnevale. B: Marcela Guerty. K: Juan Carlos Gomez. S: Nacho Ruiz Capillas. M: Lito Vitale. P: Tesela Producciones Cinematográficas. D: Manuel Alexandre, China Zorilla, Carlos Alvarez-Novoa u.a.
108 Min. Arsenal ab 13.4.06

Zuckerschock

Von Sebastian Gosmann Marcos Carnevale meint es gut. Mit viel Liebe etabliert der Regisseur und Koautor zwei bezaubernde Charaktere und läßt diese mit einem bemerkenswerten Gespür für Dialogwitz und Situationskomik im gemeinsamen Mietshaus aufeinandertreffen. Einer 82jährigen Dame bei dem Versuch zuzuschauen, ihren nur vier Jahre jüngeren, erst seit wenigen Wochen verwitweten Nachbarn rumzukriegen, hat zweifelsohne seinen Reiz; zumal es der fabelhaften China Zorrilla gelingt, Elsas altersweise Abgeklärtheit gewinnbringend zu konterkarieren mit der pickligen Aufgeregtheit eines Teenagers vor dem ersten Date. Was dann kommt, gleicht jedoch einem Trauerspiel. Zwar finden wohl erdachte und stimmig umgesetzte Szenen immer noch statt. Doch nach dem gelungenen Auftakt verliert sich die Inszenierung – zugunsten einer zu sehr bemühten Darstellung des von Krankheit und Tod bedrohten Pärchenglücks – zusehends in einer allzu rührseligen, mit Kitsch überladenen Gefühlsduselei.

Wenn ein Film wie dieser augenscheinlich auf ein zentrales, höchstromantisches Finale zusteuert, so ist es von entscheidender Wichtigkeit, die Gefühlsdetektoren der Zuschauer bis dahin nicht schon derart strapaziert zu haben, daß diese beim Bad in den Fluten der Fontana di Trevi, bereits vollkommen verklebt von der Süßholzraspelei vergangener Szenen, endgültig den Geist aufgeben. Aufgrund jener kontraproduktiven Vorarbeit schmeckt diese Verneigung vor Fellini wie die Cocktailkirsche auf dem Sahnehäubchen. Zudem wirkt Elsa & Fred an manchen Stellen regelrecht uncineastisch. Gänzlich unmotiviert verabschieden sich dialogisch abgeschlossene Szenen immer wieder in die Schwarzblende, als seien sie Bestandteil einer Fernseh-Soap. Auch wird das dadurch geschaffene retardierende Moment einfach nicht benötigt. So bleibt Elsa & Fred am Ende bedauerlicherweise doch nur gut gemeint. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #42.
© 2012, Schnitt Online

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