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Elling – Nicht ohne meine Mutter

Mors Elling. N 2003. R: Eva Isaksen. B: Axel Hellstenius. K: Rolv Håan. S: Lars Lillo-Stenberg. M: Lars Lillo-Stenberg. P: Maipo. D: Per Christian Ellefsen, Christin Borge, Lena Meieran, Pape Monsoriu u.a.
78 Min. Arsenal ab 6.5.04

Gereifte Neurosen

Von Constanze Frowein Schon in Næss' Elling von 2001 bezeichnet der gleichnamige Protagonist sich als Muttersöhnchen. Mama ist allerdings schon tot, und dem norwegischen Neurotiker dient die ehemalige Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland deshalb als ödipale Ersatzikone.

In Elling – Nicht ohne meine Mutter darf man seine leibliche Mutter endlich kennenlernen. Eva Isaksens filmische Umsetzung des Ambjørnsenschen Romans »Ententanz« erzählt von der Zeit, als Ellings Mutter noch lebt.

Die überrascht ihren telefon- und außenweltscheuen Sohn mit einer All-Inclusive-Mallorca-Reise. Sämtliche Phobien des kauzigen Besserwissers scheinen bei der Reise aufgearbeitet zu werden. Leider fehlt es Isaksens Erzählung an Feinheiten: Durfte Elling bei Næss 2001 noch ein das Genie im Wahnsinn verkörpernder Sauerkrautpoet sein, »die anonyme Stimme aus der nachtstillen Straße«, so zeichnet Isaksen in ihrer Betrachtung Ellings Ödipuskomplexes einen auf Brüste und Mutti fixierten Prinzipienreiter. Auf die Spitze treibt es ein Konflikt, der durch eine von Strandschönheiten hervorgerufene Erektion entsteht. Während Elling sich im Mittelmeer-Wasser Abkühlung verschafft, muß er hilflos zusehen, wie seine Mutter von einem Nebenbuhler umworben wird.

Ganz entgegen Brundtlands Aussage: »Umweltveränderungen verändern auch die Bedrohung, die die menschliche Gesundheit gefährden.«, wird in Isaksens Prequel das Persönlichkeitsbild des ungewöhnlichen Leinwandhelden unsensibel behandelt, denn die bei Næss von den Protagonisten gemeisterten Krisen scheint Isaksen nicht ausgeblendet zu haben. Ihr Elling ist reifer und erfahrener als der anderthalb Jahre ältere. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #34.
© 2012, Schnitt Online

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