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Elizabeth

GB 1998. R: Shekhar Kapur. K: Remi Adefarasin. M: David Hirschfelder. S: Jill Bilcock. D: Cate Blanchett, Geoffrey Rush, Joseph Fiennes, Richard Attenborough u.a.
120 Min. PolyGram ab 29.10.98
Von Georg Immich Die Herrschaft von Elizabeth I. wird gerne als das Goldene Zeitalter Englands bezeichnet oder die Zeit von 1558-1603 wird wegen der innenpolitischen Stabilität und der Förderung der Kunst mit dem Begriff ›merry old England‹ verklärt. Dabei verliefen Elizabeths erste Jahre nicht nur fröhlich, sondern glichen mehr einer Achterbahnfahrt. Als Tochter des berüchtigten Heinrich VIII. lebt sie am Königshof bis ihr schwächlicher Bruder König Edward VI. mit 16 Jahren stirbt und ihre Halbschwester Mary, auch genannt die ›Blutige‹ (Bloody Mary) an die Macht kommt.

Zunächst nur vom Hof verbannt, wird Elizabeth schon bald aufgrund ihres protestantischen Glaubens als Ketzerin gefangen genommen und in den Tower gebracht, wo sie nur knapp dem Tod auf dem Scheiterhaufen entkommt. Ihre Lage bessert sich erst, als ihre blutige Schwester stirbt und das Parlament Elizabeth als ihre nächste Verwandte zur Thronfolgerin bestimmt.

Nun muß sie einsam, als einzige mächtige Frau in einer Männergesellschaft, an der Spitze des Staates die Entscheidungen füllen und gegen die Intrigen am Hof und die Begehrlichkeiten der Nachbarländer bestehen. Cate Blanchett ist nicht nur durch ihre langen roten Haaren, ihre Alabasterhaut und ihre Jugend prädestiniert für die Rolle der Elizabeth, sie weiß auch den Raum der Rolle zu nutzen. Sie kann sowohl den jugendlichen Überschwang, als auch die Unsicherheiten und Selbstzweifel ihrer Figur natürlich darstellen und schafft zum Schluß den Bogen bis zur weisen und gereiften Regentin.

Der Inder Shekar Kapur, bei uns 1995 bekannnt geworden mit Bandit Queen, hat die üblichen Nachteile eines Kostümfilms umgangen und vermittelt ein genaues Zeitgefühl durch die Einbeziehung der Architektur der Schauplätze und die differenzierte Lichtgestaltung. Ein gute Casting-Idee war die Besetzung von Lord Richard Attenborough entgegen seinem Image als gutmütig, weichlicher Berater. Einzig das Drehbuch ist zu sehr an klassischer Geschlossenheit interessiert und hat die Ereignisse zu sehr umgestellt und gerafft.

Trotzdem wird die dunkle und kalte Grundstimmung der Epoche vor allem auch dank der Musik von David Hirschfelder sehr passend getroffen. Er benutzt für jede Szene einen eigenen Stil und Herangehensweise bis hin zur authentischer Tanzmusik der Epoche. Angesichts seiner früheren Arbeiten für Strictly Ballroom und Shine muß er jetzt als der Soundtrack-Komponist mit der größten Bandbreite gelten. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #12.
© 2012, Schnitt Online

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