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Elektra

USA 2004. R: Rob Bowman. B: Zak Penn, Stuart Zicherman, Raven Metzner. K: Bill Roe. S: Kevin Stitt. M: Christophe Beck. P: Regency, Marvel, Fox u.a. D: Jennifer Garner, Goran Visnjic, Will Yun Lee, Cary-Hiroyuki Tagawa, Terence Stamp u.a.
96 Min. Universum ab 10.3.05

Razor Girl

Von Frank Brenner Der Comicboom der letzten Monate hat vor allen Dingen einen Mann reich gemacht, der seit Jahrzehnten zu den kreativen Köpfe in der Szene der bunten Bildchen zählt: Stan Lee. Der innovative Comiczeichner und Inhaber des Marvel-Konzerns, aus dessen Haus Helden wie der unglaubliche Hulk, Spiderman, der Punisher, die X-Men oder die fantastischen Vier stammen, hat sich mittlerweile angeschickt, alle seine über Jahre hinweg erfolgreiche Serienfiguren mit der modernsten Tricktechnik nun auch die Leinwände erobern zu lassen. Ein Unterfangen, das zumindest an den Kinokassen Erfolge verbucht, auch wenn die Filme künstlerisch mal mehr, mal weniger gut gelungen sind. 2003 ließ Stan Lee unter der Regie von Mark Steven Johnson den Daredevil in Gestalt von Ben Affleck seine fantastischen Abenteuer ausfechten. Die Nebenfigur Elektra mit dem Gesicht der Alias-Agentin Jennifer Garner erwies sich als so erfolgreich, daß der mordenden Schönheit nun sogar ihr eigener Film gewidmet wurde.

Elektra, die auf wundersame Weise aus dem Reich der Toten zurückgeholt wurde, ist zur kaltblütigen Auftragskillerin geworden. Als sie auf einer einsamen Insel ihren Nachbarn Mark und dessen junge Tochter Abby am Weihnachtstag besser kennen lernt, schließt sie eine zaghafte Freundschaft. Doch bereits tags darauf geht ihr der Auftrag zu, Vater und Tochter zu eliminieren. Stattdessen wird Elektra jedoch aufgrund der gerade erwachten Gefühle zur Beschützerin der Kleinfamilie, was sich als überaus schwierig erweist, da natürlich schnell Ersatz für die abtrünnige Killerin gefunden ist.

Weibliche Comichelden gibt es neben Catwoman und Barb Wire eigentlich relativ selten. Deswegen hätte man sich von diesem Ableger durchaus ein ansprechendes Kinovehikel erhoffen können. Doch Regisseur Rob Bowman, der schon aus Die Herrschaft des Feuers den wohl langweiligsten Drachentöter-Film aller Zeiten machte, versemmelt auch dieses Spin-Off gewaltig. Jennifer Garners Sex-Appeal wird nicht annähernd ausgereizt, ihre Elektra läuft weit mehr als die Hälfte des Films in unspektakulären Straßenklamotten durchs Bild, und selbst ihr knallrotes Kampfoutfit scheint ihr nie richtig zu passen und läßt viele Wünsche offen. Am Schlimmsten jedoch ist wieder einmal die filmische und inszenatorische Einfallslosigkeit, die den dünnen Plot auch mit Hilfe der visuellen Ebene nie vergessen machen kann. Man langweilt sich zu Tode, wenn stets aufs Neue Zeitlupenaufnahmen eingesetzt werden, Kampfszenen vollkommen uninspiriert wirken und die Tricks der Digitalkünstler das Einzige darstellen, was noch halbwegs interessant erscheint. Wenn sich nicht ein wesentlich besserer Regisseur findet, ist Elektras Solofilmkarriere schon zu Ende gegangen, bevor sie richtig angefangen hat. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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