— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Elefantenherz

D 2001. R,B: Züli Aladag. B: Jörg Tensing. K: Judith Kaufmann. S: Andreas Wodraschke. M: Eckart Gadow. P: Cameo. D: Daniel Brühl, Manfred Zapatka, Jochen Nickel, Angelika Bartsch, Erhan Emre u.a.
100 Min. ottfilm ab 24.4.03

Ein Boxfilm mehr

Von Thomas Warnecke Das muß einem erklärt werden, und Trainer Ali erklärt es dann auch: Marko hat den Kampf zwar gewonnen, aber nicht durch gute Technik, sondern durch gewalttätige Wut. Zu sehen war es in den Kampfszenen zuvor nämlich nicht, daß Marko diese ganze verdammte Wut über seinen miesen Alten, über das Leben von Sozialhilfe, über die Hochhäuser von Duisburg-Hochheide und überhaupt über dieses ganze beschissene Leben in den Boxring trägt. Dazu war der visuelle Einfallsreichtum bei der Inszenierung zu gering, auch wenn Judith Kaufmanns Kamera ganz nah herangeht und die Bilder nachträglich noch von Farben entsättigt wurden. Und Daniel Brühl sieht einfach nicht wirklich wütend aus.

Mag ja sein, daß Regisseur Züli Aladag sich über den bunten Klitschko-Brüder-Zirkus im Fernsehen ärgert und daß Boxen wirklich noch eine wichtige Funktion für Jugendliche von sozial schwacher Herkunft hat, allein, um dies zu zeigen, erzählt Elefantenherz die falsche Geschichte. Genaugenommen gar keine: Das Drehbuch besteht ausschließlich aus der Verknüpfung aller erwartbaren, abgestandenen Motive, die sich mit einem boxenden Heranwachsenden verbinden lassen – der Vater, der Alkoholiker ist, die gute Mutter, die trotzdem zu ihm hält, der Manager, hinter dessen väterlich-freundschaftlicher Fassade ein Krimineller steckt. Daniel Brühl fügt seiner Adoleszenten-Galerie eine neue, vermeintlich dunklere, in Wirklichkeit nur muskulösere Figur hinzu. Jetzt gibt es einen Boxfilm mehr, ohne daß das Genre dadurch bereichert worden wäre, aber das ist wohl auch nicht immer möglich. Um es Mike Tyson mit Martin Kippenberger sagen zu lassen: »Ich kann doch nicht jeden Tag ein Ohr abbeißen.« 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #30.
© 2012, Schnitt Online

Sitemap