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El último tren – Der letzte Zug

El último tren – Corazón de fuego. ARG/UR/E 2002. R,B: Diego Arsuaga. B: Fernando León, Beda Docampo Feijóo. K: Hans Burman. S: Daniel Márquez, Fernando Pardo. M: Hugo Jasa. P: OK Films, Rambla, Taxi Films u.a. D: Federico Luppi, Héctor Alterio, José Soriano, Gastón Pauls u.a.
94 Min. Pegasos ab 22.1.04

Eisenbahn-Romantik

Von Frank Brenner Was erfährt man hier in Deutschland schon von Uruguay? Viele wissen wahrscheinlich noch nicht einmal so genau, wie die Hauptstadt dieses Landes heißt. Politisch scheint es international nahezu bedeutungslos zu sein. Da überrascht es um so mehr, daß das kleine, spanischsprechende Land auf dem gleichermaßen zu vernachlässigenden Sektor der Filmkultur nun mit einem Werk in Erscheinung tritt, das zu den wundervollsten, kurzweiligsten und originellsten Kinoerlebnissen der letzten Monate gehört!

Uruguay ist sicherlich kein sonderlich fortschrittliches Land, aber daß man sich bereichert an dem Verkauf eines nationalen Kulturerbes wollen einige gewiefte Alte einfach nicht zulassen. Die letzte Dampflokomotive des Landes soll für einen Hollywoodfilm verkauft werden. Doch die »Eisenbahnfreunde« versuchen dies zu verhindern, indem sie das frisch restaurierte Museumsstück kurzerhand entführen und auf diese Weise das Interesse der Medien und somit der Öffentlichkeit auf sich und ihre Mission lenken: »Das Erbe darf nicht verkauft werden.«

Diego Arsuagos Film ist eine herrlich schrullige Rentner-Farce im Stil des ebenfalls sehr empfehlenswerten Frühling im Herbst des Tschechen Vladimír Michálek. Entgegen der üblichen Hollywood-Strategien verzichtet er ebenfalls auf jugendliche Haupt- oder Identifikationsfiguren und erzählt stattdessen eine weise und humorvolle kämpferische Geschichte. Die Storyline um die Entführung der Lokomotive kann dabei durchaus als Parabel gelesen werden. Sie ist lediglich Mittel zum Zweck, um vom Kampf der Traditionen gegen den rücksichtslosen Fortschritt zu berichten und eindeutig für ersteres Stellung zu beziehen. Arsuagas Rentner stehen dabei symbolisch für die Werte und das Wissen der Vergangenheit , das es zu respektieren und bewahren gilt. Héctor Alterio bringt es in seiner Rolle als Professor auf den Punkt, wenn er sagt, jeder bestünde aus der Summe seiner persönlichen Erfahrungen – und was bleibt, wenn man diese nicht mehr hat?

Das herausragende Ensemble, das auf dem Filmfestival von Valladolid mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet wurde, schafft es mit Hilfe des mit Herzblut geschriebenen Drehbuchs spielend, seinen Zuschauer für sich einzunehmen und eine der schönsten Geschichten seit langem zu erzählen. 1970-01-01 01:00
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