— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

E.K.G. Expositus

D 2004. R,B,S,D: Michael Brynntrup. K: Uwe Bohrer u.a. M: Yref, Jay Ray, Frank Bretschneider. P: MBC-Filmproduktion. D: Bernhard Bieniek, Jochen Paul, Petra Krause u.a.
101 Min. GMfilms ab 15.4.04

Routine-Untersuchung

Von Oliver Baumgarten Man entziehe dem Werk Lothar Lamberts den schwulen Kontext, füge ihn stattdessen dem Werk Heinz Emigholz' hinzu und stelle sich überdies einen gehemmten Jörg Buttgereit-Film vor. Da irgendwo findet sich Michael Brynntrup, ein Undergroundfilmer mit mächtigem Œuvre, großer Lust an der Selbstinszenierung und Sinn für Multimedialität. Er liebt das Graphische, pflegt filmisch die Anarchie, da er sich formell jeder Regel zu entziehen sucht, und inszeniert sich selbst immer wieder mitten in diesen Kosmos hinein. »Ich male mein Leben lang nur mich selbst«, sagt Brynntrup und hat diesbezüglich mit E.K.G. Expositus sein Opus Magnum geschaffen. Ein abendfüllender Dokumentarfilm über sich selbst als Künstler und Medienmenschen.

Doch das Experiment funktioniert nicht. In eine sehr knappe Rahmenhandlung bettet Brynntrup mit ihm geführte Fernseh-Interviews ein, unterbrochen von einigen seiner alten Kurzfilme. Mit Schlingensiefscher Milchbubigkeit spinnt er sich zwischen den Kurzfilmen einen Mediendiskurs zusammen, der am Ende – wie in der Rahmenhandlung seine Filmfigur selbst – zerschmettert auf einer Bahre in der Sinnklinik landet. Hineingelötet hat Brynntrup Loverfilm (1996), Aide Mémoire (1995), Herzsofort.setzung II (1996) und Kein Film (2000) – alles treffsichere Werke konkreten Filmanarchismus', jedes für sich mit klaren stilistischen Qualitäten. Zusammenbekommen aber hat er sie nicht. Sein E.K.G. zeigt eindeutig: Das Herz seiner Arbeit schlägt in der kurzen filmischen Form. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #34.
© 2012, Schnitt Online

Sitemap