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Die Einsamkeit der Krokodile

D 2000. R,B: Jobst Oetzmann. K: Hanno Lentz. S: Christel Suckow. P: Olga-Film. D: Janek Rieke, Julia Jäger, Thomas Schmauser, Ernst Stötzner u.a.
96 Min. prokino ab 17.5.01
Von Natascha Kramer Wann ist man verrückt? Ist jemand schon schizophren, nur weil er der Meinung ist, daß der Humanismus vor der Schweinemast versagt hat? Oder ist er nur weiser als alle anderen? Dieser Film versucht, sich mittels zweier Zeitebenen einer Antwort zu nähern. Schnittpunkt ist dabei der Einzelgänger Günther, der, aufgewachsen in den Schlachträumen der elterlichen Metzgerei in Ostwestfalen, recht jung Selbstmord verübt hat.

Damals, das sind Rückblenden in die Kindheit, Jugend und Studienzeit dieses Sonderlings. Jetzt, das ist die Recherche des Journalisten Elias, der im Dorf nach den Hintergründen des Suizids forscht. Tod und Töten sind die Gedankenstriche, die die Suche begleiten – im konnotativ-filmischen Bild in der Thematisierung des täglichen routinierten Enthauptens der späteren Schnitzel.

Langsame Kamerafahrten setzen in diesem nachdenklichen Werk nicht nur die Einsamkeit, auch die Beziehungen der einzelnen Charaktere untereinander wunderschön in Szene. Die Montage bildet dabei die Schnittstelle zwischen Gegenwart und Vergangenem; sie ordnet die Gedanken und irritiert zu keinem Zeitpunkt.

Trotz der Slapstick-Elemente – bei einem Setting zwischen Schützenfest und Schweinemast unumgänglich – ist die Atmosphäre des Films durchweg beklemmend. Und zum Schluß fragt man sich immer noch: Woran erkennt man einen Verrückten? Die Antwort kann nur punktuell gültig sein: Verrückte machen alles anders. Die Bewertung bleibt dem Zuschauer selbst überlassen. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #22.
© 2012, Schnitt Online

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