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Eine italienische Hochzeit

Love's Brother. AUS 2003. R,B: Jan Sardi. K: Andrew Lesnie. S: Veronika Jenet. M: Stephen Warbeck. P: Australian Film Finance Corporation. D: Giovanni Ribisi, Adam Garcia, Amelia Warner, Silvie de Santis u.a.
102 Min. Solo Film ab 29.7.04

Italophil in Australien

Von Constanze Frowein In einer Kampagne von 1947 bis 1972 sicherte sich Australien die Leistung seiner Fabriken durch Arbeiter verarmter Nachkriegsfamilien aus europäischen Ländern wie Griechenland, Holland und vor allem Italien. Auch heute noch ist die Gruppe der aus Italien stammenden Einwanderer besonders hoch.

Jan Sardi aber möchte in Eine italienische Hochzeit keine Geschichte der Migration erzählen, sondern nutzt die australische Historie, um einen Traum von brüderlicher Toleranz, der großen Liebe und der romantischen Verklärung italienischer Tradition heraufzubeschwören. Der Frauenmangel italienischer Kommunen im Australien der 50er Jahre brachte Hochzeiten bitteren Beigeschmacks mit sich. »Proxy bride« waren junge Frauen, die fremdelnden Migranten durch eine Fernhochzeit zum Wunsch nach traditionstreuer, heimatverbundener »famiglia italiana« verhelfen sollten.

Da kommt Rosetta gerade recht: Aphroditesk anmutend, aber doch nicht schaumgeboren wie die Venus Boticellis kommt sie aus der weit entfernten Heimat, um sich dem Leben als frischgebackene Ehefrau des nie zuvor gesehenen Angelo zu fügen. Ebenso traumhaft, wie sie dem schüchternen Bräutigam erscheint, genauso entsetzt ist die Braut beim Anblick des Gatten, denn der entspricht nicht dem Mann auf dem Foto, den sie zu heiraten geglaubt hatte.Ergüsse romantischer Träumereien brachten der zart-italienischen Schönheit den Unbekannten zumindest in der Unendlichkeit ihrer Phantasie nahe, doch nicht Angelo, sondern sein Bruder Gino entspricht der Sehnsucht Rosettas.

Das Mißtrauen in das eigene Aussehen veranlaßt den zur Heirat gedrängten Angelo, der Auserwählten vor der Hochzeit das Foto seines jüngeren, selbstbewußten und dem allgemeintauglichen Geschmack junger Frauen entsprechenden Bruder Gino zu schicken. Die Auswirkungen sind fatal, doch da auch bei der italienischen Diaspora Australiens Brüderlichkeit, die wahre Liebe und Anstand noch mehr zählen als Neid, kommen alle Beteiligten auf ihre Kosten.

Jan Sardi malt eine Auswandereridylle, eine Geschichte, die Hoffnung auf eine Welt jenseits der bitteren Wirklichkeit schafft. Seine filmischen Maßnahmen, sehnsüchtig an italophile Ergüsse wie Il postino zu erinnern, entsprechen den naiven Wunschträumen seiner filmischen Figuren. Leider kann auch der Darsteller des Angelo, Giovanni Ribisi mit seiner peniblen Darstellung eines von seiner eigenen Gefühlswelt überforderten jungen Mannes diesen Ballast an Kitsch und Nostalgie nicht verdaulicher machen. 1970-01-01 01:00
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