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Eine andere Liga

D 2005. R,B: Buket Alakus. B: Jan Berger. K: Bella Halben. S: Andreas Radtke. M: Ali N. Askin. P: Wüste Film. D: Karoline Herfurth, Ken Duken, Thierry van Werveke u.a.
103 Min. timebandits ab 26.1.06

Catenaccio

Von Oliver Baumgarten »Ich will mit Emotionen das Publikum erobern, denn das ist für mich das, was Kino ausmacht«, hat Regisseurin Buket Alakus einmal in einem Interview zu ihrem Erstling Anam gesagt. Dieses klare Bekenntnis zu einem sehr klassischen Kinoverständnis spiegelt sich denn auch äußerst konsequent in ihren Filmen, deren Plots nicht in erster Linie mit Begriffen wie Originalität oder dramaturgischer Innovation zu assoziieren sind. Dreiaktstruktur, Typisierung und Offenheit für Klischees – dieses Triptychon der Bewegtbild-Konvention hat an dieser Stelle schon so manch bösen Verriß provoziert, wenn es wiederholt durch Lustlosigkeit und mangelndes Handwerk das Modell der Unterhaltung torpediert hat. Wenn auch Eine andere Liga gegenüber Anam etwas abfällt, so sind doch beide glühende Beispiele dafür, daß Filme nicht jedesmal ihr Genre neu erfinden müssen, um auf emotionaler Ebene fesseln zu können.

Eine andere Liga erzählt von einer jungen Deutsch-Türkin, der nach einer Brustkrebs-Operation das Fußballspielen verboten wird. Also geht sie ihrer Leidenschaft heimlich nach in einer bunten Laienspieltruppe inklusive gutaussehendem Trainer. Diese hinlänglich bekannte Ausgangssituation nun inszeniert Alakus mit einem unbestechlichen Gefühl für Momente und Akzente. Sie versteht es hervorragend, den Sog der Identifikation für die Verdichtung der Atmosphäre zu nutzen, wobei ihrer äußerst fruchtbaren Arbeit mit den Schauspielern hier eine Schlüsselposition zukommt. Vielleicht dem Thema, weitaus wahrscheinlicher dem engen Genrekorsett geschuldet, geht Eine andere Liga allerdings teilweise jene filmische Leichtigkeit ab, die Anam so nachhaltig geprägt hat. Dies sei nachdrücklich verziehen angesichts der Situation in der deutschen Branche, daß es beim zweiten Film vor allem darauf ankommt, zu null zu spielen, um dann beim dritten wieder anzugreifen. 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #41.
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