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Ein Kater macht Theater

Dr. Seuss' The Cat in the Hat. USA 2003. R: Bo Welch. B: Alec Berg, Jeff Schaffer, David Mandel. P: Brian Grazer. K: Emmanuel Lubezki. S: Don Zimmermann. M: David Newmann. D: Mike Myers, Alec Baldwin, Kelly Preston, Dakota Fanning u.a.
82 Min. UIP ab 8.4.04

Kater Chaos

Von Franziska Nössig Ein gewisser Dr. Seuss, Amerikaner, schrieb 1957 das Buch »The Cat in the Hat«, die Geschichte von einem verrückten lebensgroßen Kater, der eines Tages bei den Kindern Conrad und Sally auftaucht. Die beiden sind allein im Haus und langweilen sich zu Tode. Im Handumdrehen stellt der ständig quasselnde Kater ihr junges Leben auf den Kopf. Der Doktor, der eigentlich kein Doktor war und mit richtigem Namen Theodor Seuss Geisel hieß, ist in Deutschland, wenn überhaupt, als Autor des »Grinch« bekannt. Jenes haarige, grüne Wesen, das in der Filmversion von Jim Carrey gespielt wird. Im anglophonen Raum ist Dr. Seuss ein Held: Seine Kinderbücher sprühen vor Witz und Zungenbrechern. Sie benutzen nur eine begrenzte Anzahl an Wörtern und erleichtern somit besonders Anfängern das Lesen. »The Cat in the Hat« kommt mit 200 Wörtern aus. Es ist ein ausgefallens Vokabular, und zusammen mit den Wortwiederholungen und einigen Worterfindungen liest sich das Buch als ein verbales Feuerwerk.

Bo Welch hat diese Erzählung zu einem hollywoodverdaulichen Format umfunktioniert. Das heißt unter anderem, daß er der einfachen Kindergeschichte etwas Erwachsenes hinzufügt. Die Mutter hat eine Beziehung zum zwielichtigen Nachbarn und versetzt auch das katerliche Blut in Wallungen. Es ist fraglich, ob diese sexuellen Anspielungen hier überhaupt notwendig sind. Und ob die jungen Zuschauer diese überhaupt verstehen. Selbst für Erwachsene sind sie nur teilweise lustig. Zu einem großen Teil gehen sie in dem Wust an Worten und dem Tempo, das der Film vorgibt, einfach verloren. Mike Myers' Kater hüpft, wirbelt, tanzt und verteilt Ratschläge in Lichtgeschwindigkeit. Man kann sich kaum auf einen Witz konzentrieren, schon wird das nächste »Ding« abgefeuert. Man hetzt mit dem Tempo mit, in der Hoffnung, vielleicht den nächsten Knüller richtig zu verstehen. Der Zuschauer lächelt über die meisten Witze und lacht über ein paar wenige. Alles ein bißchen lauwarm.

Make-up, Set und Visual Effects sind dagegen erstaunlich ausgereift. Sally und Conrad leben mit ihrer Mutter in einer kribbelbunten Welt mit runden Formen, quietschgelben Häusern und neongrünen Autos. Als der Kater die beiden Kinder durch das Chaos in seiner magischen Roten Kiste führt, explodieren Farben und Formen. Die beiden Katergehilfen, Ding 1 und Ding 2, treiben weiterhin ihren Unfug und springen von einem Rand der Leinwand zum anderen. Das Auge scheint zu halluzinieren bei all der Flippigkeit und verliert sich in diesem unendlich bunten 3D-Comic. Die Maske des Katers erinnert eindeutig an den Grinch, mit dem Unterschied, daß Mike Myers ständig grinst, frech blinzelt oder Grimassen zieht. Auch wenn die Turtelei zwischen Mutter und Nachbarn sich nicht wirklich mit dem Rest des Films vereinen läßt, liefert sie doch einen weiteren optischen Höhepunkt. Alec Baldwin als fieser Nachbar ist richtig schön eklig mit den Goldketten und seinem Bierbauch, der über den Bund seines Trainingsanzugs schwappt.

Sally und Conrad geraten regelrecht in Angstschweiß, als der Kater nicht aufhört, die Wohnung zu verwüsten. Der witzige plappernde Clown ist zu einer Plage geworden, und die beiden Kinder versuchen ernsthaft, ihn loszuwerden. So ähnlich geht es dem Zuschauer gegen Ende des Films. Die Langeweile setzt ein. The Cat in the Hat ist poppig amerikanisch und reizt die Anziehungskraft des Visuellen voll aus. Da der Film aber im Titel ankündigt, die Adaption des Kinderbuches zu sein, hätte man eine detailliertere Beachtung des Wortwitzes und der Wortspiele erwartet. Die bunten Ideen und der technische Aufwand sind zu einseitig, und so verpuffen sie einfach im Nichts. 1970-01-01 01:00
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