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Ein ferpektes Verbrechen

Crimen ferpecto. E/I 2004. R,B: Álex de la Iglesia. B: Jorge Guerricaechevarria. K: José L. Moreno. S: Alejandro Lázaro. M: Roque Baños. P: Panico Films, Sogecine, Planet Pictures. D: Guillermo Toledo, Mónica Cervera, Luis Varela, Enrique Villén, Fernando Tejero, Javier Gutiérrez u.a.
104 Min. Arsenal ab 26.5.05

Aktion Mord

Von Frank Brenner Für Álex de la Iglesia hat das Makellose, das Perfekte und Fehlerfreie längst schon seinen Reiz verloren. Der Protegé des spanischen Ausnahmeregisseurs Pedro Almodóvar hat bereits in seinem ersten Film Aktion Mutante 1993 einen Gegenentwurf zur Welt der Schönen geschaffen, indem er in einem absurd-trashigen Science-Fiction-Film die Rache der Häßlichen und Ausgestoßenen heraufbeschwor. In der Zwischenzeit ist de la Iglesia nicht zuletzt durch den Erfolg der Barry Gifford-Verfilmung Perdita Durango mit Javier Bardem zu einem der erfolgreichsten Regisseure Spaniens aufgestiegen – an seinem derben Inszenierungsstil und seiner etwas anderen Weltsicht hat sich freilich dadurch nichts geändert.

Rafael ist ein erfolgsverwöhnter Verkaufschef für die Damenbekleidungsabteilung in einem Kaufhaus, dessen höchstes Ziel darin besteht, Etagenleiter zu werden. Als er im letzten Moment von seinem schärfsten Konkurrenten übertrumpft wird, kommt es zwischen den beiden zu einem Handgemenge, bei dem der Widersacher das Zeitliche segnet. Ausgerechnet seine häßlichste Mitarbeiterin, die der Playboy Rafael bislang unnachgiebig links liegen ließ, wird Zeuge der Tat und wittert ihre Chance, Rafael als Schweigepfand um seine Liebe für sie zu erpressen.

Die reizvolle Idee nutzt Álex de la Iglesia vor allen Dingen im ersten Drittel seines Filmes für ein paar gepfefferte Breitseiten und eine gut funktionierende Gesellschaftssatire. Doch je weiter er sich in seiner Geschichte vorwagt, je abgedrehter seine Ideen werden, je mehr Splatter- und Spezialeffekte zum Einsatz kommen, desto mehr gleitet sein Film in die Standards und Konventionen der schwarzhumorigen Kriminalkomödie ab. Der Originalitätsbonus, der an die ungewöhnliche Besetzung der weiblichen Hauptrolle mit der wenig attraktiven Mónica Cervera geknüpft ist, verpufft dann schnell zugunsten platter Witzeleien, die Zweifel aufkommen lassen, ob Cervera von ihrem Regisseur nicht nur vorgeführt werden soll. Die Debütantin, die den gleichen Typ bedient wie die einstige Almodóvar-Muse Rossy de Palma, bekommt keine Chance, ihre Rolle tiefer auszuloten und wird somit zur bloßen Witzfigur degradiert. Freunde des schrägen Humors werden bei Ein ferpektes Verbrechen sicherlich noch ihren Spaß haben, aber die in der Geschichte angelegten gesellschaftskritischen Momente werden schließlich leider zugunsten von Oberflächlichkeit und Sensationslust verschenkt. 1970-01-01 01:00
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