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Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr…

Il est plus facile pour un chameau… F/I 2003. R,B,D: Valeria Bruni Tedeschi. K: Jeanne Lapoire. S: Anne Weil. P: Gemini Films. D: Chiara Mastroianni, Jean-Hugues Anglade, Denis Podalydes u.a.
110 Min. Movienet ab 26.2.04

Reichtum im Fegefeuer

Von Melanie Balz Federica ist jung, reich und unglücklich. Unglücklich darüber, aus einer Industriellenfamilie zu stammen, deren Reichtum sie zu absoluter Sorglosigkeit verdammt. Krampfhaft versucht sie ihrem Leben einen Sinn zu geben, tanzt in einer Laien-Ballettgruppe, schreibt egozentrische Theaterstücke. Bei ihrer Sinnsuche führt sie ihr Weg auch in die Kirche, wo sie den jungen Pfarrer mit unsinnigen Beichten belästigt. Der teilt ihr einfühlsam mit, daß eher ein Kamel durch ein Nadelöhr geht, als daß ein Reicher in das Reich Gottes kommt (Matthäusevangelium, Kapitel 19, Vers 24) und ihre Probleme eher etwas für einen Psychiater, denn für einen Pfarrer sind.

Mit Eher geht ein Kamel durchs Nadelöhr… gibt die Autorin und Schauspielerin Bruni Tedeschi nun ihr Regiedebüt. Herausgekommen ist eine amüsante, selbstironische Darstellung ihrer eigenen Lebensgeschichte; dieser Schluß ist zumindest bei einem Vergleich mit ihrem familiären Hintergrund und der recht authentischen Darstellung der Hauptperson Federica nicht von der Hand zu weisen.

Daß sie sich dabei selber nicht immer ganz so ernst nimmt, zeigen einige in die Geschichte montierte Animationssequenzen, die an die deutsche TV-Serie Lolle bzw. an Tom Tykwers Lola rennt erinnern oder eingeschobene Tagtraumszenen à la Ally McBeal. So bildet sich Federica z.B. ein, daß sie als Kind aufgrund des Reichtums ihrer Familie von den »Roten Brigaden« entführt wird, mit denen sie und ihre Eltern sich dann verbünden und an einer großen Tafel zusammen speisen und lachen.

Nicht ganz klar ist allerdings, welche Kernaussage die Regisseurin eigentlich mit ihrer Geschichte transportieren wollte. Will sie Mitleid erwecken? Will sie auf die Probleme hinweisen, die sehr reiche Personen mit ihrem Reichtum haben können, gar Verständnis für eine solch »aussichtslose« Situation erheischen?

Oder ist es letzlich eine Geschichte, die das Erwachsenwerden, die Emanzipation aus der Familie, verflossene Liebschaften und den verantwortungsbewußten Umgang mit sich selbst zum Thema hat. Das alles könnte man jedenfalls zwischen den Zeilen lesen und gegen Ende scheint sich das sogar zu bestätigen. Diese Nuancen werden aber eben immer wieder von etwas anspruchslosen und ein wenig zu oberflächlichen Späßen überschattet. 1970-01-01 01:00
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