— — —   DER SCHNITT IST OFFLINE   — — —

Edtv

USA 1998. R: Ron Howard. B: Lowell Ganz, Babaloo Mandel. K: John Schwartzman. S: Mike Hill, Dan Hanley. D: Matthew McConaughey, Jenna Elfman, Woody Harrelson u.a.
123 Min. UIP ab 3.7.99
Von Thomas Waitz Simuliert das Fernsehen das echte Leben, oder ist es nicht vielmehr so, daß das echte Leben das Fernsehen simuliert? Den Charakter des Tagesbegleitmediums hat das, was früher einmal »die Glotze« war, schon lange angenommen, aber es ist auch, mehr als das, integraler Bestandteil unserer Alltagswirklichkeit geworden – im Sinne einer Brechung, eines wirkmächtigen Eingiffs in den Alltag, nicht als Nivellierung von Realität und Simulation: performatives Realitätsfernsehen hat Angela Keppler das mal genannt.

»Am Ende wird uns das was kosten«, weiß Eds Schwester, und auch wir ahnen es, als Ed einen Knebelvertrag unterzeichnet, der in zum (zunächst freiwiligen, später gezwungenen) Helden einer 24stündigen, täglichen Fernsehshow namens TrueTV macht. Um Wahrheit soll es gehen, als ob die sich schon allein dadurch einstelle, daß man immer feste draufhalte. An den glänzenden Oberflächen der Fernsehschirme, den mattschwarzen, heranzoomenden Objektiven, der grobgepixelten TV-Zeilenstruktur saugt sich die Kamera fest.

Unentschlossen zwischen Medienkritik und Komödie schwankend, ist EdTV vor allem eins: lieblos und kalt. Ein durchweg unsympathischer Hauptdarsteller, dessen vermeintlicher Charme sich beim besten Willen nicht entfalten will, weswegen von anderen Protagonisten auch mehrfach und verzweifelt auf sein Vorhandensein hingewiesen werden muß, eine klischeeüberladene, vor Gemeinplätzen strotzende Verweigerung von Sprache und eine selbst dem blödsten Zuschauer völlig unglaubwürdig erscheinen müssende Darstellung der Bedingungen von TV-Produktionen. Und immer wieder: Fernsehen im Film.

Aber jeder Ansatz einer Kritik läuft leer: Der Film folgt selbst völlig ungebrochen den Gesetzen von daily soap und product placement. Was bleibt, ist eine schnarchlangweilige Komödie und eine erfrischend dämliche Medienkritik, die sich nicht an Strukturen, sondern an – politisch korrekt – männlicher Hybris entzündet: Schwellkörperimplantate! Was haben wir gelacht! 1970-01-01 01:00

Abdruck

Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #15.
© 2012, Schnitt Online

Sitemap