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Eden

PL 2002. R,B: Andrzej Czeczot. K: Zbigniew Kotecki, Andrzej Teodorczyk, Jadwiga Zauder-Olesinska, Dorota Bernadowka. S: Teresa Miziolek, Wieslaw Nowak. M: Michael Urbaniak. P: Europa sp.zo.o.
75 Min. Neue Visionen ab 8.7.04

Anders als alle anderen

Von Dietrich Brüggemann Ein naiver Hirte mit seiner Flöte geht auf eine lange Reise und begegnet dabei allen nur erdenklichen Gestalten aus der Kulturgeschichte des Abendlandes… Sie finden, das klingt wie saturierter, bildungsbürgerlicher Kitsch? Entwarnung, Kitsch ist es nicht, was der polnische Animator Andrzej Czeczot und sein Team hier produziert haben.

Eden ist viel zu unverschämt, um kitschig zu sein, und in jeder Hinsicht zu hemmungslos, um sich überhaupt eindeutig auf irgend etwas festzulegen. Die Figuren sehen grob skizziert aus, fast schon unbeholfen, der Zeichenstil ist flächig-malerisch und hat nichts gemein mit dem vorgetäuschten Raum voller gummigleich sich bewegender Figuren, den man sonst im Zeichentrickfilm zu sehen bekommt.

Die Hauptfigur, der namenlose Hirte, begegnet zunächst der heiligen Dreifaltigkeit – drei komischen Heiligen, die die Köpfe aus einer Wolke stecken und mit Schlagzeug, Saxophon und Kontrabaß Lärm machen. Dann werden sie von den höllischen Heerscharen angegriffen, unser Held fällt selber in die Unterwelt, kommt auf wunderlichen Wegen auch wieder heraus, die Heiligen fliegen noch öfter durch die Gegend und um sie herum eine Vielzahl anderer Gestalten.

Die Unverfrorenheit, mit der hier alles denkbare durcheinandergeschmissen wird, erinnert natürlich an Terry Gilliams geniale Animationsequenzen in den Filmen der »Monty-Python«-Truppe. Anders als bei Gilliam scheint bei Andrzej Czeczot die technische Durchführung nicht egal, aber doch zweitrangig zu sein, und man weiß nie so genau, was er eigentlich ernst meint, falls er überhaupt irgend etwas ernst meint, aber vermutlich ist die Frage von vorne herein falsch gestellt.

Eden ist ein hintersinniger Trip in eine Parallelwelt voller alter Bekannter, der Film ist mal ganz was anderes als all das, was man sich sonst so jeden Tag ansieht, und allein das macht ihn schon sehenswert. 1970-01-01 01:00
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