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Echte Frauen haben Kurven

Real Women Have Curves. USA 2002. R: Patricia Cardoso. B: George LaVoo, Josefina Lopez. K: Jim Denault. S: Sloane Klevin. M: Heitor Pereira. P: HBO Independent Productions, LaVoo Productions, Newmarket Films. D: America Ferrera, Lupe Ontiveros, Ingrid Oliu, George Lopez u.a..
90 Min. Alamode Film ab 6.5.04.

Dicke Freundinnen

Von Frank Brenner Man sollte sich keinesfalls durch falsche Erwartungshaltungen hinsichtlich des Titels dieses Films den Spaß am selben verderben lassen. Die wörtliche Übersetzung des Originaltitels wird sicherlich viele in die Irre treiben und hinter diesem provokativen Etikett eher eine debile Teenagerplotte als eine intelligente, hervorragend gespielte Sozialstudie erwarten. Aber genau das ist der Fall. Nach ihrem erfolgreichen (gleichnamigen) Theaterstück hat die Exil-Mexikanerin Josefina Lopez das dem Film zugrundeliegende Drehbuch verfaßt, das von zahlreichen autobiographischen Erlebnissen geprägt ist.

Ana ist eine intelligente, etwas korpulente junge Amerikanerin, die gerade die High School mit Erfolg abgeschlossen hat und mit Hilfe eines Stipendiums gute Chancen hätte, am College den einengenden Verhältnissen innerhalb ihrer aus Mexiko stammenden Familie zu entfliehen. Doch auch die finanzielle Unterstützung durch Stipendiate kann Anas Familie nicht davon überzeugen, daß ein Studium der Tochter sinnvoller ist als ihre Mithilfe in der Kleiderfabrik ihrer Schwester, in der auch ihre Mutter arbeitet.

Die Debütregisseurin Patricia Cardoso zeichnet das eindringliche Bild mexikanischer Immigranten in den USA, die auch Jahre nach ihrer vermeintlichen Integration in der Gesellschaft noch mit Repressalien und Ausgrenzungen zu rechnen haben. Die harte Arbeit der Näherinnen in der Kleiderfabrik und das ausbeuterische Verhalten der Auftraggeber ist aber nur eines der Themen, das Cardosos realistisch gezeichneter Milieufilm im Laufe seiner Handlung anspricht. Darüber hinaus geht es auch um die Haßliebe zwischen Ana und ihrer eigenwilligen Mutter Carmen, die von den beiden einnehmenden Hauptdarstellerinnen auf exzellente, ausgeglichen zwischen Tragik und Komik schwankende Weise vermittelt wird. America Ferrera, die Darstellerin der achtzehnjährigen Ana, legt hier ein beachtenswertes Kinodebüt vor, und Lupe Ontiveros in der Rolle ihrer streitsüchtigen Mutter beeindruckt nach einigen einprägsamen Nebenrollen nun erstmals als Protagonistin.

Und nicht zuletzt greift die Story mit einem Augenzwinkern auch das Thema der Leibesfülle auf, denn sowohl Ana als auch ihre Mutter und Schwester sowie einige weitere Arbeiterinnen in der Kleiderfabrik sind mollig. Auch wenn Ana von Carmen immer wieder deswegen aufgezogen wird, steht die junge Frau zu sich und ihrem Körper, was in einer schlichtweg hinreißenden Sequenz des Films gegen Ende auch auf äußerst witzige Weise visualisiert wird. Die Lebensfreude und das Selbstvertrauen Anas respektive America Ferreras springt hundertprozentig auf den Zuschauer über, der das Kino mit einem Lächeln auf den Lippen verläßt. 1970-01-01 01:00
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