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East is East

GB 1999. R: Damien O'Donnell. B: Ayub Khan-Din. K: Brian Tufano. S: Michael Parker. M: Deborah Mollison. P: Leslee Udwin. D: Om Puri, Linda Bassett, Jordan Routledge, Archie Panjabi u.a.
96 Min. Senator ab 18.5.00

East sieht West

Von Julian Tyrasa Die Probleme einer pakistanischen Familie im Nordengland der 70er Jahre – nach einem Box Office-Hit klingt das nicht gerade. Und doch schickt East is East sich an, in England der (nach Trainspotting) zweiterfolgreichste britische Film der letzten Jahre zu werden. Das liegt mit Sicherheit nicht zuletzt daran, daß Regiedebütant Damien O'Donnell seinen Filmfiguren mit der Liebe und Sensibilität begegnet, die auch seine Kollegen von der Insel wie Mike Leigh oder Ken Loach auszeichnet.

Der Film schildert die alltäglichen Schwierigkeiten, die sich für religiöse Menschen im andersgläubigen Ausland zwangsläufig ergeben; im Falle der Familie Khan werden diese noch dadurch potenziert, daß eigentlich nur Familienvater George überzeugter Moslem ist, seiner englischen Frau Ella und seinen sieben Kindern jedoch das individuelle Glück viel wichtiger ist als alle traditionellen Rituale. Der tägliche Versuch, den Schein zu wahren, führt zu vielen, kleinen, amüsanten Begebenheiten, eskaliert aber auch schon mal zu handfesten Schlägereien, die der Film dann auch überraschend ernsthaft erzählt. Gerade in diesem konsequenten Ausspielen sowohl von slapstickhafter Komik als auch dramatischem Ernst liegt seine Qualität.

Die größte Stärke des Films ist aber, daß er dem Zuschauer eine so fremde Kultur wie die pakistanische nahebringt und das intelligenterweise nicht etwa, indem er deren Fremdartigkeit »entschärfen« würde, sondern indem er sich des Blicks eines Fremden auf die europäische Kultur bedient. So wirkt der Besuch in einem pakistanischen Kino zwar zunächst sehr exotisch – dieser Eindruck relativiert sich aber stark während einer späteren Szene in einer britischen Disco der 70er Jahre! Und auch die moslemische Hochzeit ist nur so lange ein erschreckend altmodisches Ritual, bis wir dem geteerten und gefederten Bräutigam auf einer britischen Junggesellen-Abschiedsparty begegnen. Fremdartigkeit, das zeigt East is East sehr sinnlich, ist tatsächlich nur eine Frage der eigenen Wahrnehmung. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #18.
© 2012, Schnitt Online

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