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Düstere Legenden 2

Urban Legends – Final Cut. USA 2000. R,S,M: John Ottman. B: Paul H. Boardman, Scott Derrickson. K: Brian Pearson. P: Phoenix Pictures. D: Jennifer Morrison, Matthew Davis, Eva Mendes, Jessica Cauffiel, Loretta Devine, Hart Bochner, Marco Hofschneider u.a.
103 Min. Columbia ab 4.1.01

Enttäuschendes Sequel

Von Norbert Parzinger Damals! Verschämt wischt sich der Lichtspielfreund eine Träne aus dem Augenwinkel, wenn er an eine Zeit zurückdenkt, da der Teeniemeuchelfilm wieder richtig gut zu werden versprach. Vielleicht kann sich ja mancher sogar noch an Düstere Legenden erinnern; zumindest wer die Vorbilder nicht kannte, hatte damals seinen Spaß an Jamie Blanks' – immerhin ganz einfallsreichem – Scream-Aufguß.

Beim Sequel jenes Quasi-Sequels nun geht der Studentenschlitzer an einer Filmakademie um; mit den Einfällen ist es dafür vorbei. Einen einzigen leistet sich Regieneuling John Ottman noch: Statt an einem traditionell-gotischen Campus, mit Hausgeist und Geheimtüren im knarrenden Gebälk, spielt er sein Zehn-kleine-Negerlein-Spiel inmitten sachlich-kühler Sichtbetonmoderne. Mit dieser Gelegenheit, einmal ohne all die abgenudelten Effekte zu schocken, weiß er dann aber irgendwie doch nichts anzufangen; für jeden neuen Schlag des Unbekannten mit der Fechtermaske verkriecht sich die Story doch wieder ins Dunkel einer verfallenen Geisterbahn oder eines Glockenturms, zwischen die Kulissen eines Horrorfilmsets, in unterirdische Gänge. Ottman nimmt die Sache selbstironisch und arrangiert schließlich einen klassischen Slapstick-Showdown auf einem Gothic-Theaterfriedhof, wie er bei Ann Radcliffe im Buche steht.

Ansonsten Massenware, technisch versiert heruntergespult, aber vor allem fad. Die Idee der Filmhochschülermorde, garniert mit Verwirrung um vertauschte Abschlußfilme und wahnsinnige Dozenten, ist schon nicht mehr ganz frisch, seit Tesis im Fernsehen läuft, deswegen schlägt hier der Plot wilde Haken. Das Gruseln bleibt dann spätestens am vollen Dutzend netter Dutzendgesichter hängen. Ganz witzig immerhin Loretta Devine als nach wie vor ziemlich unfähige Securityfrau, die so gerne Pam Grier wäre, oder Gloria Gaynor, oder jedenfalls irgendwas, nur nicht Securityfrau. Und für den Fall, daß Juliette Lewis wirklich keine fiesen Filme mehr machen will, sollte man sich noch ein anderes Gesicht merken: Als ordinäres Blondchen mit viel zu viel Lippenstift ist Jessica Cauffiel perfekt, und wer so gut kreischen kann, gehört in vernünftige Splatterfilme, der ist zu schade für solches Mittelmaß.

Obwohl: In der Pressevorführung von Düstere Legenden begannen die Morde ja damit, daß eine namenlose Schöne von einer Party weggeklaut wurde und sich in einer versifften Badewanne wiederfand, eine Wunde am Bauch und eine Niere neben sich, und dann passierte noch so allerhand. Die Episode hatte keinen erkennbaren Bezug zur Geschichte drumrum, aber zünftig war sie wohl – ein Spaß, den man sich nach zehn Jahren als Cutter leistet, wenn man endlich mal selber bestimmen darf, was geschnitten wird und was nicht. Ich könnte glatt nochmal reingehen, um zu schauen, ob sie die Szene für den Final Cut dringelassen haben…

Naja, nicht wirklich. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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