Von Ingo Grell
Es gibt einfach zu viele Studenten! Diese Erkenntnis trifft einen spätestens im Kino. Der Arbeitsmarkt ist schon lange gesättigt, und so schickt die Filmindustrie ihre psychopathischen Campus-Killer auf die Reise, um die junge, attraktive Bildungselite wenigstens auf der Leinwand zu dezimieren.
In Scream war diese Vorgehensweise intelligent inszeniert und machte Spaß. Doch im Debüt von Jamie Blanks ist es nicht die Begeisterung für Slasherfilme, die zum Morden animiert. Es sind sogenannte Düstere Legenden. Tagsüber in der Vorlesung behandelt, werden sie nachts vom Killer zu neuem Leben erweckt. Im Kampf gegen das Böse steht dem Kinopublikum hier als Identifikationsfigur die Studentin Natalie zur Seite, die als einzige erkannt hat, nach welchem Muster ihre Kommilitonen abgeschlachtet werden. Und so darf sie sich im Laufe des Films viele Male erschrecken und in Panik geraten, jedesmal begleitet von einem immensen Orchesterwumms, der spätestens nach seinem dritten Einsatz nur noch die Leistungsfähigkeit moderner Tonanlagen demonstriert.
»Urbane Legenden«, so der Originaltitel, sind als eine Art moderner Volksmärchen bestimmt nicht nur ein amerikanisches Phänomen. Aber nur dort haben sie wohl solche Filme zur Folge.
1970-01-01 01:00