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Das Dschungelbuch 2

The Jungle Book 2. USA 2003. R: Steven Trenbirth. B: Karl Geues. S: Peter Lonsdale, Christopher K. Gee. M: Joel McNeely. P: Disney.
73 Min. Buena Vista International ab 27.3.03

Probier’s mal mit Klamaukigkeit

Von Holger Liepelt Fortsetzungen von bekannten Disneyfilmen wurden früher pietätvoll lediglich als Video veröffentlicht. Damit sollte gleichzeitig dem Wunsch nach neuem Material um die jeweiligen Figuren nachgekommen, eine Verwässerung des Originals im Gedächtnis der Zuschauer aber vermieden werden. Seit dem hervorragenden Toy Story 2, bei dem während der Produktionsphase die Kinoauswertung beschlossen wurde, gibt es auch Sequels von Disneyklassikern im Kino: letztes Jahr Neue Abenteuer in Nimmerland als Weiterführung von Peter Pan, dieses Jahr erwischt es Das Dschungelbuch, schlichter betitelt mit Das Dschungelbuch 2. Die Werbezeile, daß der Erstling der »erfolgreichste Zeichentrickfilm aller Zeiten in Deutschland« ist, sagt einem ganz unverblümt, warum und wieso so eine Fortsetzung denn sein muß.

Der Dschungel und seine Bewohner präsentieren sich jetzt in knalligeren, satteren Farben, Pflanzen und Figuren wirken plastischer. Allerdings verliert er dafür an Tiefe, die der in zarten Aquarellfarben gemalte und in diffuses Licht getauchte Ur-Wald (Tusch) noch vorwies. Die Figuren sind ein wenig cartooniger, was vor allem bei den Menschen auffällt. Beides zeigt schon, welcher Zielgruppe Disney sein Dschungelbuch gewidmet hat: den Kleinsten. Und was der Konzern von diesen hält, auch, denn auf eine echte Geschichte hat man verzichtet. Mowgli geht zurück in den Dschungel, worauf die verschiedenen Mitglieder seiner Pflegefamilie beginnen, ihn zu suchen. Im Weiteren wird der eine mal gefunden, der andere wieder verloren, irgendjemand wird immer gesucht. Zum Schluß vertragen sich alle. Zwischendurch haben die Figuren aus dem ersten Teil ihren Auftritt, nur auf King Louie, die komplexeste Figur, wird verzichtet.

Sein Hofnarr (der mit der weißen Tolle und dem Palmwedel) ist jetzt der Chef bei den Ruinen, und das hat Symbolcharakter: Klamauk ist angesagt. Baghira war komisch, weil ihm seine Contenance im Kontakt mit den anderen Tieren ab und zu verlorenging. Im aktuellen Film hat er keine seriöse Fassade zu verlieren, weil die nie etabliert werden kann, ständig fällt er ins Wasser oder wird umgerannt. Das Dschungelbuch 2 setzt auf Hau-drauf-Witz, der nur selten originell oder komisch ist. Ach, da war ja auch noch Musik: »Probier's mal mit Gemütlichkeit« wird ganze drei mal angestimmt, die anderen Stücke sind ausgesucht langweilig.

Das Dschungelbuch 2 ist ein Film, über den man sich nicht mal richtig ärgern kann, dafür ist er handwerklich zu solide. Nicht vorbelasteten Kleinkindern wird er auch sicher Spaß machen, aber daß er ähnlich im Gedächtnis haftet wie das Original den Eltern – wohl kaum. Die werden mit im Saal sitzen und sehr schnell wehmütig an ihr erstes Dschungelbuch-Erlebnis denken. Und dank Video den Kindern hoffentlich zeigen, was richtiger Dschungelzauber ist. 1970-01-01 01:00
© 2012, Schnitt Online

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