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Driven

USA 2001. R: Renny Harlin. B,D: Sylvester Stallone. K: Mauro Fiore. S: Stuart Levy, Steve Gilson. M: BT. P: Franchise. D: Burt Reynolds, Kip Pardue, Til Schweiger, Gina Gershon, Estella Warren, Cristián de la Fuente, Brent Briscoe, Robert Sean Leonard, Verona Feldbusch, Jasmin Wagner u.a.
118 Min. Warner ab 15.11.01

Falsch abgebogen

Von Carsten Happe Welch widersprüchliches Bild. Unentwegt, in jeder Rennsequenz des Films, crashen die Boliden gegen Reifenstapel und Leitplanken, fliegen durch flirrende Luft, zerbersten in tausend Einzelteile, legen ihr Innenleben frei. Der Film selbst hingegen fährt ebenso pausenlos gegen die Wand, gibt aber niemals mehr als seine grellbunte, glitzernde Oberfläche preis. Kein Kratzer im Lack, allerdings gehörig Sand im Getriebe.

Wie bei Rocky hat Sylvester Stallone das Drehbuch verfaßt, nur ist er inzwischen natürlich zu alt, um die zentrale Rolle des aufstrebenden Underdogs zu übernehmen und begnügt sich daher mit einer unentschlossen zwischen passivem Zuschauer und Entscheidungshelfer pendelnden Figur, die so gar nicht ins Ensemble passen will. Ansonsten ist Driven nämlich durchaus als Schlüsselfilm zu bezeichnen, falls es diese Bezeichnung denn gibt.

Til Schweiger gibt den Michael Schumacher, Estella Warren ist Corinna, die sich nicht zwischen zwei Fahrern entscheiden kann, Burt Reynolds der gelähmte Teamchef Frank Williams. Mit diesen Analogien, die zu decouvrieren für einige Minuten ganz reizvoll ist, endet jedoch jegliche Realitätsnähe des Films, alle weiteren Behauptungen über den Motorsport, die die Bilder von Driven aufstellen, dürften bei jedem, der sich auch nur für fünf Minuten damit beschäftigt hat, lediglich ungläubiges Kopfschütteln auslösen. Die Kamikazeflieger von Pearl Harbor haben auf diesen Rennstrecken offenbar ihre neue Bestimmung gefunden. Hauptsache, es rummst gewaltig.

Gleichwohl, es nützt ja nichts, einem Actionfilm fehlende Plausibilität vorzuwerfen, ebensowenig die dürftig skizzierten Charaktere zu beklagen, die geradewegs der Titelseite einer »Gala« entrissen scheinen; wichtig is auf'm Platz, sprich in der Rennaction, doch selbst hier wäre Driven angeraten, nochmals schleunigst die Boxengasse anzufahren – die Schnitte sind schlampig, die Kamera unfokussiert, die Visual Effects bar jeder Glaubwürdigkeit. Höhepunkt dieser dreisten Verquickung eines Seifenopern-Drehbuchs mit diversen handwerklichen Unzulänglichkeiten ist eine haarsträubende Verfolgungsjagd durch die nächtliche Innenstadt Chicagos – mit den Rennwagen, versteht sich.

Und schlußendlich, ich muß es erwähnen, da der Verleih kaum ein Wort drüber verliert, gibt's noch die Kurzauftritte der deutschen Mediendarlings Verona Feldbusch und Jasmin Wagner (the artist formerly known as Blümchen – im Abspann als »Jasmine« tituliert), erstgenannte mit Ausnahme dreier winziger Fragmente fast komplett herausgeschnitten, letztere zumindest mit einem zusammenhängenden 15-Sekunden-Einsatz an Bord. Doch was hilft's, Stallone & Co. sind da bereits längst falsch abgebogen. 1970-01-01 01:00
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