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Drei Engel für Charlie

Charlie's Angels. USA 2000. R: McG. B: Ryan Rowe, Ed Solomon, John August. K: Russell Carpenter. S: Peter Teschner. M: Edward Shearmur. P: Leonard Goldberg, Drew Barrymore, Nancy Juvonen. D: Drew Barrymore, Cameron Diaz, Lucy Liu, Bill Murray, Sam Rockwell, Crispin Glover, Tim Curry, Kelly Lynch u.a.
Columbia ab 30.11.00
Von Matthias Grimm »James Bond hat ausgedient.« Diese Floskel, die heutzutage jedem drittklassigen Action-Film vorangeht, besitzt nun endlich Gültigkeit: Denn Drei Engel für Charlie ist der ultimative Männerfilm. Dafür allein genügen diese vier Gründe: Barrymore, Diaz, Liu und knallharte Action. Mehr braucht das Chauvinistenherz nicht. Wer in Die Welt ist nicht genug sehnsüchtig auf den kurzen Auftritt von Denise Richards wartete und in der Zwischenzeit mit Macho-Brosnan vorlieb nehmen mußte, darf in Charlie's Angels ununterbrochen dem Voyeurismus frönen.

Dabei sind die »Drei Engel« eigentlich als Vorbild einer jeden Feministin angelegt: starke Frauen, die der Männerwelt kräftig in den Allerwertesten treten und ansonsten nur das machen, was Frauen sonst so gerne tun: tanzen, sich ständig umziehen und äh… schnelle Autos fahren. Die Identifikationsfigur ist tot, es lebe das Spannertum. Baywatch ist nicht ohne Grund die erfolgreichste TV-Serie der Welt, Pop-Ikonen heißen nicht mehr Prince sondern Lara Croft, und Helden werden aus Containern in Köln-Hürth geboren. Außerdem seien wir doch mal ehrlich: Würden Sie lieber 007 sein wollen oder einmal so richtig von Drew Barrymore verprügelt werden? Na also…

Und was ist mit Punkt 4? Der Action? Werbefilmer McG orientiert sich stark an der Matrix-Ästhetik, ohne aber zu plagiieren. Stattdessen fügt er der neuen Bildsprache innovative Elemente hinzu, läßt seine Kamera losgelöst von Raum und Zeit um seine Protagonisten schweben, unternimmt plötzliche Sprünge von Zeitlupe zu Hochgeschwindigkeit, und das ohne den aufdringlichen Pathos, den viele Filme John Woos auszeichnen. Denn Frauen sind nicht pathetisch, sie sind sexy. Wenn die charmante Naivität der 70er auf die Videoclip-erprobte Sexualisierung der Gesellschaft in den 90ern trifft, besitzt das denselben Charme, der bereits Austin Powers zum Hit machte.

Was gibt es sonst noch? Handlung? Wenn man es überhaupt so nennen kann… Gaststars? Bill Murray als verwirrter Geheimagent, Crispin Glover als dunkles Alter Ego von John Steed. Sounddesign? Brillant! Und sonst? Nicht mehr viel. Ob das genügt? Nein. Genau genommen überhaupt nicht, aber ich kann nichts dafür, ich bin ein Mann. Ach ja, doch noch was: das Ende? Metaphysik! Da fragt Engelchen Diaz ihren anonymen Boss Charlie: »Und wie sollen wir jemals wissen, ob du wirklich existierst?« – »Mit deinem Glauben«, ist die Antwort. Wer da nicht im siebten Himmel ist… 1970-01-01 01:00
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