Von Lisa Schneider
Schon wieder Dracula. Nach unzähligen Versuchen glaubt nun offensichtlich ein weiterer Regisseur, gute Gründe für eine Neuverfilmung des klassischen Stoffes auf seiner Seite zu haben und katapultiert kurzerhand den Fürsten der Finsternis ins 20. Jahrhundert.
Tatsächlich aber gewinnt Patrick Lussier unter der Bürgschaft von Altmeister Wes Craven dem Vampirmythos keine neuen Seiten ab, sondern beißt sich wenig originell an alten Gewohnheiten fest. Ungehindert darf sich die christliche Moral noch immer als Gegenentwurf zum satanischen Lustprinzip profilieren und wird nicht endlich in ihrer uneingestandenen Lust an dessen Negation entlarvt: Der moderne Mythos »Dracula« stellt sich so auch weiterhin als ein moralisches, nicht ästhetisches Phänomen dar. Langweilig – hat doch Francis Ford Coppolas Version zumindest Appetit auf die dämonische Lust zu erregen vermocht und damit die dunklen Abgründe aus der Verbannung in den Menschen zurückgeholt.
Lussier nutzt das Potential nicht, das in der Verlegung der Handlung in die heutige Zeit liegt, schließlich kommt diese einem weltlichen Sündenbabel viel näher als die viktorianische Gesellschaft, wie sie Bram Stoker vor Augen hatte. Wenngleich er sich auch verkrampft um das Gegenteil bemühen mag, Dracula 2000 bleibt bis zuletzt blutleer, lustlos, vor allem aber unerotisch – und das ist wohl das Schlimmste, was sich über einen Vampirfilm sagen läßt.