Von Thomas Waitz
Etwas läuft falsch: Die Situation, in welcher der Einzelne, der sich als Außenseiter gegen ein übermächtiges gesellschaftliches System stellt, die Entscheidungen übergeordneter Instanzen hinterfragt und durch sein entschlossenes Handeln zu einer höheren Gerechtigkeit korrigiert, ist ein uramerikanischer Mythos. Weil die Selbstverantwortung des Individuums – gerade im US-amerikanischen Rechtssystem – ungleich bedeutender ist, scheinen diese »Korrekturen« nie das System selbst in Frage zu stellen, sondern es ironischerweise zu bestätigen.
Im Falle von Doppelmord ist der Einzelne eine Frau, und mehr noch als eine Kriminalgeschichte ist der Film in seiner Konzentration auf die weibliche Hauptfigur eine »Gib-mir-mein-Kind-zurück«-Geschichte mit angeflanschtem Gerechtigkeitsdrama. Libby Parsons, wegen Mordes an ihrem Mann jahrelang zu Unrecht im Knast, kommt frei, macht sich auf die Suche nach ihrem Sohn und den wahren Hintergründen des Verbrechens.
Das Ganze läuft unverholen auf eine Rechtfertigung von Selbstjustiz heraus, aber selbst zu einer solide-reaktionären Meinung ist dieser Film zu feige: Als Parsons endlich zum Zuge kommen könnte, wird aus der geplanten Exekution schlichte Notwehr. Klischeehafte Dialoge und eine einfallslose Bildsprache, deren einzige Möglichkeit, »Gefühle« zu inszenieren sich offenbar in Close Up und Streicherteppich erschöpft, runden den schalen Geschmack ab, den dieses überflüssige Werk hinterläßt.
1970-01-01 01:00