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Don't Come Knocking

D 2005. R: Wim Wenders. B,D: Sam Shepard. K: Franz Lustig. S: Peter Przygodda, Oli Weiß. M: T-Bone Burnett. P: Reverse Angel, Arte France u.a. D: Jessica Lange, Tim Roth, Sarah Polley u.a.
123 Min. Reverse Angel ab 25.8.05

Wenig Monument, viel Valley

Von Dietrich Brüggemann Ein alternder Westernheld verschwindet aus laufenden Dreharbeiten und reitet durchs Monument Valley davon – was man sich als das Ende eines sehr schönen Films denken könnte, ist hier der Anfang eines nicht ganz so schönen. Wim Wenders hat sich wieder einmal den amerikanischen Westen vorgenommen und stelzt durch eine Story voller hölzerner Figuren, desorientierter Darsteller und zerdehnter Mir-doch-egal-Passagen.

Sam Shepard, zugleich der Autor des Drehbuchs, spielt den gealterten Womanizer, der vom Set abhaut, seine alte Mama besucht und sich auf die Suche nach der Vergangenheit macht, und schreitet dabei mit solch stoisch selbstgerechter Unbewegtheit durch die Szenen, daß man genausogut ein Plakat mit seinem Gesicht durch die Gegend tragen könnte. Wäre er vom Set dieses Films einfach davongeritten, der Verlust wäre nicht groß, aber er bleibt bei uns, und wir lernen eine Handvoll überraschungsarmer Klischeefiguren kennen. Sein verlorener Sohn, Bohemien irgendwo zwischen Sturm und Drang und Empfindsamkeit, wirft gern mal seinen gesamten Hausrat aus dem Fenster; als dessen Freundin muß die talentierte Fairuza Balk, von der man gern mal etwas anderes sehen würde, leider wieder dieselbe White-Trash-Zicke geben, die sie immer gibt. Jessica Lange kann ihrer schemenhaften Figur keine Konturen geben, Tim Roth ist als stocksteif agierender Agent genauso überflüssig wie Mel Gibson als stocksteif agierender Agent in Million Dollar Hotel, Sarah Polley ist ätherisch und desorientiert, einzig Eva Marie Saint zieht sich würdevoll aus der Affäre und hat, nebenbei bemerkt, in der ansonsten geisttötenden Synchronfassung eine Sprecherin von einsamer Großartigkeit abgekriegt.

So eiert die Handlung durch den Mittleren Westen, und bei vielen Szenen fragt man sich, ob sie einfach so unbeholfen inszeniert sind und daher unfreiwillig komisch wirken, oder ob die Komik Absicht ist, womit wir auf dem Niveau einschlägiger Amateur- und Studentenfilme angelangt wären, die sich im Amüsement über die eigene Lustigkeit völlig selbst genügen. Die Story – alter Knacker findet seine verlorenen Kinder und sucht die verflossene Vergangenheit – ist vorhersehbar und so unspannend erzählt, daß auch das Eintreten des Vorhersehbaren keinen greifbaren Spaß macht. Einzig Franz Lustigs Kameraarbeit ist makellos und rettet einen über ereignisarme Stunden hinweg.

Es war schon immer Wim Wenders' Spezialität, die Leere der amerikanischen Landschaft mit der entdramatisierten Langeweile des deutschen Autorenfilms zu verbinden. Wo das Land keine Geschichte hat und die Geschichte kein Land gewinnt, entsteht ein Film, der viel behauptet, aber nichts sagt. 1970-01-01 01:00
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