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Die Dolmetscherin

The Interpreter. USA 2005. R: Sydney Pollack. B: Charles Randolph, Scott Frank, Steven Zaillian. K: Darius Khondji. S: William Steinkamp. P: Universal, Working Title Films, Misher Films. D: Nicole Kidman, Sean Penn, Catherine Keener, Jesper Christensen u.a.
120 Min. UIP ab 21.4.05

Die UNO als Retterin

Von Katja Spranz Der heilige Raum der UNO-Vollversammlung, in dessen Kuppel die Kabinen der Dolmetscher sind: Das Übersetzen verschiedener Sprachen wird hier zur Metapher des Verstehens und des offenen Dialoges. Sylvia Broome versteht ihre Arbeit als Mission, als Beitrag zur Völkerverständigung. Sie hört – aus der Dolmetscherkammer über dem leeren Plenarsaal – eine Morddrohung an Zuwanie, den Diktator des fiktiven afrikanischen Staates Matobo: einem von postkolonialen Unruhen erschütterten Land, in dem sie aufgewachsen ist. Zu ihrem Schutz wird der CIA-Agent Keller abberufen, der ihr erst nicht glaubt. Es beginnt ein verwirrendes Spiel um Macht und Rache, um Diplomatie und Gewalt. Die Darstellung Schwarzafrikas bedient jedes westliche Klischee: Kindersoldaten, Korruption, öde Landschaft, Armut, wohin das Auge reicht. Kurz gesagt: Afrika, der Krisenherd, das dunkle Loch der Welt. Eine derartige Beschreibung ist aber nicht ein Problem dieses Films, sondern ein allgemeines Problem der Afrikarezeption der »Ersten Welt«, ein allgemeines Problem der Beschreibung des Anderen. Das Fremde wird zum negativen Gegenpart; der Glaube an die Superiorität der eigenen Lebensform erscheint so über jeden Zweifel erhaben.

Die Menschen sind hier Teil von Vorgängen, die größer sind als sie selbst: Die Menschen sind nur Schachfiguren, die trotz Idealismus die Welt nicht retten können. Aber der Glaube an die Macht der Worte wird trotz allem vehement verteidigt. Die UNO als Institution, die die Welt retten kann: eine naive Vorstellung vielleicht. Aber eine schöne. 1970-01-01 01:00

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Dieser Text ist erstmals erschienen im Schnitt #38.
© 2012, Schnitt Online

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