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Dogtown and Z-Boys

USA 2001. R,B: Stacy Peralta. B: Craig Stecyk. K: Peter Pilafian. S: Paul Crowder. M: Jimi Hendrix. P: Agi Orsi, Jay Wilson.
97 Min. ottfilm ab 15.8.02
Von Mark Stöhr Sagen wir, wie's ist und das gleich von vornherein: Stacy Peralta betreibt in seinem Skateboarder-Porträt Dogtown and Z-Boys miesesten Kirmesbuden-Dokumentarismus, der uns zu seinen Bildern tanzen lassen will und doch nur überreizte Müdigkeit hinterläßt. Wir müssen selbst aufs Brett und auf die Rampe und die halsbrecherischsten Überschläge riskieren, um am Feeling der Strandjungs von Santa Monica teilzuhaben. Unser Hosenboden muß genauso in den Knien hängen und aus unseren Lautsprechern derselbe abgestandene Grunge-Rock dröhnen, um die Freiheit zum Richtig-schön-auf-die-Schnauze-Fallen gefühlsecht nachvollziehen zu können.

Das ist alles wahnsinnig cool und stylish – und inzwischen so abgeschmackt wie die MTV-Ästhetik aus der Gründerzeit. So, als taugte der Avid nur zum Durchlauferhitzer für das schnelle Bild.

Dabei hätten die kalifornischen Skater-Pioniere, um die es geht, ein genaueres Hingucken durchaus verdient. Ihr Siegeszug begann Anfang der 70er Jahre in Dogtown in der Nähe von Santa Monica und Venice, wo die verwahrlosten Pfahlbauten eines ehemaligen Vergnügungsparks zu wagemutigen Surfmanövern einluden. Irgendwann verlegten sie das Surfen auf die Straße und prägten dort einen schier schwerelosen, welleninspirierten Stil des Skateboardings. Zum Sammel- und Fluchtpunkt für die Kids, die fast durchweg aus schwierigen Familienverhältnissen stammten, wurde der »Jeff Ho & Zephyr Production Surf Shop« von Jeff Ho, Skip Engblom und Craig Stecyk. Diese stellten aus den Besten das bald legendäre »Zephyr Skateboard Team« zusammen, welches zum Katalysator einer ganzen Jugendbewegung werden sollte.

Stoff genug also, sollte man meinen. Peralta jedoch, selbst ehemaliges Mitglied der Dogtown-Community, packt das fantastische Archivmaterial in den Nostalgiemixer und kombiniert es mit erinnerungsseligen Veteranenstatements. Daß von den durchaus subversiven Ursprüngen des Skateboardings heute im Zeitalter seiner kommerziellen Verwertbarkeit nichts mehr übrig ist, scheint ihm keine Erwähnung wert zu sein. Wäre auch verwunderlich, denn die hastige Spot-Montage seiner Bilder und das kaugummikauende Voice Over Sean Penns sichert ihm ohne Zweifel einen exzellenten Platz in der industriellen Nahrungskette. Einziger Trost: Es gibt keine Werbeunterbrechungen. Immerhin. 1970-01-01 01:00
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